Sanofi vor Durststrecke bei Diabetes - Setzt auf Digitalisierung

(Ausführliche Fassung) - Die Durststrecke des französischen Pharmakonzerns Sanofi im Diabetes-Geschäft dürfte noch länger anhalten. "Unsere Hoffnung ist es, dass wir im nächsten Zehnjahreszeitraum bei Diabetes und Herzkreislauferkrankungen wieder zu einer Wachstumsplattform zurückfinden", sagte Vorstandsmitglied Stefan Oelrich am Mittwoch in Frankfurt. Dabei sollen Sanofi innovative Produkte und ein Ausbau digitaler Behandlungsformate helfen.
29.11.2017 15:58

Sanofi steht nach dem Patentablauf seines Kassenschlagers Lantus derzeit unter Druck. Vor allem in den USA, wo der Preisdruck unter den Herstellern zunimmt, verliert Sanofi Marktanteile. Zuletzt hatten die Drogeriekette CVS und der Krankenversicherer United Health Lantus zugunsten des Nachahmermittels Basaglar des US-Konzerns Eli Lilly aus ihren Portfolios gestrichen.

Sanofi hatte deshalb bereits zum Halbjahr vor verschlechterten Bedingungen gewarnt und einen stärkeren Rückgang im Diabetesgeschäft in Aussicht gestellt. In Europa laufe es aber weiter stabil und entwickele sich in den Schwellenländern insbesondere durch das Zugpferd China sehr positiv, betonte Oelrich.

In den USA springt Sanofi nun auf den Zug der Digitalisierung in der Pharmabranche auf: Anfang des neuen Jahres geht der Konzern auf dem US-Markt mit einer "virtuellen Diabetesklinik" an den Start, die aus einer Kooperation mit dem zum Google-Konzern gehörenden Unternehmen Verily hervorgegangen ist. Als Partner für das Programm wurden drei private Krankenkassen gefunden. Sanofi verfolge hier einen stärker ganzheitlichen Ansatz als bei einer rein medikamentösen Behandlung, sagte Oelrich. Patienten bekommen beispielsweise einen Coach als digitalen Begleiter an die Hand.

Denkbar seien solche Programme, die in den USA erstattungsfähig sind, auch hierzulande. Erste Gespräche hat Oelrich hierzu mit dem Netzwerkspezialisten Cisco geführt, das Projekt stecke aber noch in den Kinderschuhen. "Zunächst haben wir hier aber das Thema des Datenschutzes zu klären."

Als vielversprechende Mittel in der Diabetes-Forschungspipeline rücken bei Sanofi zwei von anderen Herstellern einlizensierte Medikamentenkandidaten in den Mittelpunkt: Sotagliflozin und Efpeglenatide. Mit diesen will Oelrich die kommenden drei bis vier Jahre überbrücken. Für einen Hoffnungsträger aus dem eigenen Hause, mit dem auch Fettleibigkeit (Adipositas) bekämpft werden soll, beginnt bald die zulassungsrelevante Studie der Phase 3. Sollte das Medikament seine Wirksamkeit ausreichend beweisen, traut Oelrich diesem Blockbusterpotenzial zu. Mögliche Umsatzzahlen nannte er aber nicht.

Oelrich bestätigte weiterhin Medienberichte, wonach am Standort im Frankfurter Industriepark Höchst Gespräche über einen Sozialplan laufen. "Noch fehlt die Unterschrift". Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" hatte zuvor berichtet, dass der im Frühjahr angekündigte Stellenabbau in Höchst ohne betriebsbedingte Kündigungen vonstatten geht. Laut dem Blatt will sich die deutsche Tochtergesellschaft bis Ende des Jahres 2020 von 150 Stammkräften trennen und 250 befristete Verträge auslaufen lassen.

Höchst bleibe aber der wichtigste Standort für das Diabetes-Geschäft von Sanofi, betonte Oelrich. "Unsere neuen innovativen Produkte werden vor dort kommen." Sanofi hat in Frankfurt schwerpunktmässig die Forschung und Entwicklung für den Bereich angesiedelt. Rund 8000 der deutschlandweit etwa 10000 Mitarbeiter arbeiten in Höchst.

Stefan Oelrich war im Oktober in den Vorstand des Konzerns aufgerückt, als "deutsche Stimme" in dem Gremium verantwortet der Manager seitdem das weltweite Diabetesgeschäft von Sanofi. Der französische Konzern steckt - wie viele Branchenvertreter auch - seit längerem in einem organisatorischen Umbau. Anfang des Jahres trennte sich Sanofi in einem Tauschgeschäft mit Boehringer Ingelheim von seiner Tiergesundheitssparte Merial und bekam im Gegenzug das Geschäft der Deutschen mit rezeptfreien Produkten für die Selbstmedikation./tav/mis/das

(AWP)