Schaeffler sieht Talsohle bei schwächelnder Industriesparte erreicht

(Ausführliche Fassung)
11.08.2016 16:12

HERZOGENAURACH (awp international) - Der Auto- und Industriezulieferer Schaeffler sieht die Talsohle bei der schwächelnden Industriesparte erreicht. Die Sparte, die sich in einem schwierigen Marktumfeld bewege, beginne sich zu stabilisieren. "Wir sind guter Dinge, dass sich die Industriesparte nach vorne entwickeln wird", sagte Schaeffler-Vorstands-Chef Klaus Rosenfeld der Deutschen Presse-Agentur am Donnerstag in Herzogenaurach.

Die Schaeffler AG setzt dabei auch auf das bereits im Vorjahr gestartete Restrukturierungsprogramm der Industriesparte. Einige Massnahmen dürften aber erst im Jahr 2017 ihre Wirkung entfalten, erläuterte ein Firmensprecher. Zusätzlichen Schub für das Geschäft mit Industrielagern erhofft sich die Firmenleitung unter anderem vom Aufbau neuer Distributionszentren sowie von neuen Produkten. Um Kosten zu sparen, will der Konzern zudem europaweit 500 Stellen abbauen.

Das Industriegeschäft hatte zwar im zweiten Quartal mit 766 Millionen Euro rund 62 Millionen Euro an Umsatz im Vergleich zum Vorjahresquartal verloren, präsentiert sich gemessen am operativen Gewinn aber inzwischen profitabler als in den beiden vorangegangenen Quartalen. Gelitten habe die Sparte weiter unter dem schwachen Händlergeschäft und sinkenden Umsätzen mit Öl- und Gas-Förderunternehmen, berichtete ein Sprecher.

Wegen des starken Wachstums des Autogeschäfts sieht Schaeffler-Chef Rosenfeld in der Halbjahresbilanz insgesamt aber deutlich mehr Licht als Schatten. "Aus meiner Sicht war das ein starkes erstes Halbjahr, nachdem wir mit dem ersten Quartal nicht so zufrieden waren." Die Autosparte legte in allen Regionen deutlich zu. Konzernweit wuchs der Konzernumsatz im zweiten Quartal aber lediglich um 0,4 Prozent auf 3,369 Milliarden Euro zu, währungsbereinigt hingegen um 3,3 Prozent.

Damit kommt der Konzern seinen mittelfristigen Zielen näher. Schaeffler hatte im Juli angekündigt, das währungsbereinigte Wachstum bis 2020 auf 4 bis 6 Prozent steigern zu wollen. Bei der operativen Marge werde 2020 ein Wert zwischen 12 und 13 Prozent angepeilt. Dank eines rund laufenden Autogeschäfts erreichte Schaeffler im zweiten Quartal bei diesem Wert das obere Ende der Spanne. Der Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) sei um 14 Prozent auf 438 Millionen Euro geklettert.

Die Marge habe somit im zweiten Quartal 13,0 (Vorjahr 11,4) Prozent betragen. Schaeffler schnitt besser ab als Experten erwartet hatten. An der Börse sorgte das für Kursgewinne. Die im vergangenen Jahr an den Markt gebrachte Aktie legte mehr als fünf Prozent zu und verringerte damit ihre bisherigen Jahresverluste deutlich.

Unter dem Strich blieben dem Konzern 241 Millionen Euro - fast 70 Prozent mehr als im zweiten Quartal 2015. Das Unternehmen habe dabei auch vom Schuldenabbau und Umschuldungen profitiert, betonte der Vorstand. Dadurch hätten die Zinszahlungen spürbar verringert werden können. Für das Gesamtjahr 2016 rechnet Schaeffler mit einem Umsatz zwischen 13,6 und 13,8 Milliarden Euro. Der operative Gewinn könnte bei einer angenommenen EBIT-Marge von 12 bis 13 Prozent auf bis zu 1,7 Milliarden Euro steigen./kts/DP/zb

(AWP)