Scheidender Munich-Re-Chef macht Hoffnung auf Trendwende bei Gewinnen

(Ausführliche Fassung) - Der langjährige Munich-Re-Chef Nikolaus von Bomhard hat den Aktionären zu seinem Abschied Hoffnung auf ein baldiges Ende des jahrelangen Gewinnrückgangs gemacht. Sein Nachfolger Joachim Wenning werde die Potenziale des weltgrössten Rückversicherers "kraftvoll entwickeln" und "in absehbarer Zeit auch wieder steigende Gewinne erzielen", zeigte sich der 60-jährige Manager am Mittwoch bei der Hauptversammlung in München überzeugt. Auf riskante Strategien zur Profitmaximierung werde der Dax-Konzern aber weiterhin verzichten.
26.04.2017 11:48

An der Börse sorgten die Aussagen für keine grossen Kursschwankungen. Bis zum späten Vormittag verlor die Munich-Re-Aktie 0,29 Prozent an Wert auf 187,45 Euro und entwickelte sich damit etwas schwächer als der nahezu stabile Dax.

Einen "künstlich erzeugten Goldrand" für die Ergebnisse werde es nicht geben, sagte von Bomhard. "Wir bewahren unsere starke Substanz und hübschen das Ergebnis nicht auf Kosten der Zukunft auf." Auch sein Nachfolger strebe gewiss kein aggressives Wachstum an. Der 52-jährige Wenning, der bisher im Vorstand für die Lebens-Rückversicherung zuständig ist, soll an diesem Donnerstag die Konzernführung übernehmen. Bomhard geht nach gut 13 Jahren an der Spitze des Munich-Re-Vorstands in den Ruhestand.

Dabei zweifelt der Manager trotz Katastrophen wie Zyklon "Debbie" im ersten Quartal nicht am angepeilten Jahresgewinn. Nach einer ersten Einschätzung liege der Konzern gut auf Kurs, sein Gewinnziel von 2,0 bis 2,4 Milliarden Euro zu erreichen, sagte von Bomhard.

Dass der Gewinn 2017 weiter sinken dürfte, hatte er bereits bei der Bilanzvorlage für 2016 im März angekündigt. Schon 2016 hatte der Konzern mit 2,6 Milliarden Euro rund eine halbe Milliarde weniger verdient als im Vorjahr. Schon seit 2014 geht es bei den Ergebnissen von Jahr zu Jahr nur abwärts - während der kleinere Rivale Hannover Rück von Rekordgewinn zu Rekordgewinn eilt.

Von Bomhard hatte die Munich Re Anfang 2004 in schweren Turbulenzen übernommen. Das Unternehmen sei wegen der Kapitalmarktkrise in einer sehr schwierigen Lage gewesen, sagte Aufsichtsratschef Bernd Pischetsrieder. Doch von Bomhard habe den Konzern wieder sicher aufgestellt. "Das hat es ermöglicht, die Finanzkrise 2008 im Gegensatz zu anderen Unternehmen unbeschadet zu überstehen." Der Aktienkurs habe sich von 97 Euro beim Antritt des Managers bis heute nahezu verdoppelt.

"Mittelfristig sind unsere Aussichten auf wieder steigende Gewinne gut", sagte von Bomhard. So habe sich der Preisrückgang im Rückversicherungsgeschäft stark verlangsamt, und bei den Zinsen gebe es zumindest in den USA einen Silberstreif am Horizont. Der Umbau der zuletzt defizitären Erstversicherungstochter Ergo zieht sich aber bis Ende des Jahrzehnts hin. Für 2016 sollen die Munich-Re-Aktionäre einer von 8,25 auf 8,60 Euro erhöhten Dividende zustimmen.

Zwei Punkte der Tagesordnung könnten hingegen strittig werden. So gibt es Kritik von Stimmrechtsberatern an der Transparenz der Vergütungsregeln für den Vorstand, über die die Munich Re ihre Anteilseigner im Gegensatz zu anderen Konzernen abstimmen lässt. "Es wird verlangt, dass wir die individuellen Zielwerte der Vorstandsmitglieder veröffentlichen", sagte Pischetsrieder. Das würde aber "unseren Wettbewerbern sehr sensible und geschäftsrelevante Informationen geben." Er erklärte sich bereit, im Fall einer Abstimmungsniederlage mit den Antragsgegnern zu sprechen.

In der Kritik steht ausserdem die vorsorgliche Ermächtigung des Vorstands für eine denkbare Kapitalerhöhung, die wie bisher knapp die Hälfte des Grundkapitals umfassen könnte. Das Management will sich daher verpflichten, diese Vollmacht nur für eine Erhöhung um maximal 33 Prozent einzusetzen./stw/cho/fbr

(AWP)