Schindler schlägt sich 2015 in schwierigem Umfeld gut - 2016 Wachstum angepeilt

(Zusammenfassung mit Schlusskurs)
12.02.2016 17:50

Luzern (awp) - Der Lift- und Rolltreppenhersteller Schindler hat sich 2015 in einem schwierigeren Umfeld gut geschlagen. Die Aktionäre müssen sich gleichwohl auf eine tiefere Dividende einstellen. Im laufenden Jahr peilt das Management ein Umsatzwachstum und eine Margenverbesserung an, obwohl der Schlüsselmarkt China schrumpfen dürfte.

In Branche nehmen die Sorgen wegen China zu. 2015 schrumpfte der dortige Markt für neue Lifte und Rolltreppen erstmals seit zwei Dekaden. Und für 2016 zeichnet sich ein weiterer Rückgang um rund 5% ab, wie Thomas Oetterli, designierter CEO von Schindler, am Freitag sagte. Auch beim Preisdruck gebe es keine Indizien für eine Entspannung.

Das sind alarmierende Entwicklungen, weil China bei den weltweit neu installierten Liften und Rolltreppen auf einen Anteil von 60% kommt. Und auch bei Schindler macht Asien/Pazifik - Zahlen zu einzelnen Ländern werden nicht publiziert - mittlerweile 65% der bestellten Einheiten im Neugeschäft und 33% des Konzernumsatz aus.

CHINA BLEIBT EIN SCHLÜSSELMARKT

Der neue Schindler-Chef Oetterli, der den CEO-Posten im April von Silvio Napoli übernehmen wird, trägt dies alles mit Fassung. "China wird weiterhin ein Schlüsselmarkt sein", sagte er. Der Anteil des Landes am globalen Neugeschäft bleibe trotz der aktuellen Abschwächung sehr gross und biete Chancen.

Ausserdem sei China zwar wichtig, doch auch andere Märkte böten Wachstumspotenzial. Oetterli verwies auf Indien und Südostasien. Ein neuer Schlüsselmarkt sei Iran, nachdem die Sanktionen aufgehoben wurden. Alles in allem peilt Oetterli für das laufende Jahr ein Umsatzwachstum von 3% bis 7% in Lokalwährungen an.

Schon im letzten Jahr hielt sich Schindler trotz des Gegenwinds in China gut. So stiegen in Lokalwährungen der Auftragseingang um 4,6% und der Umsatz um 6,7%. Währungseffekte machten allerdings diese Verbesserungen (teilweise) zunichte. So nahm der ausgewiesene Umsatz "nur" um 1,6% auf 9,39 Mrd CHF zu, und der Auftragseingang verringerte sich um 0,1% auf 9,97 Mrd CHF.

Zum höheren Umsatz und Auftragseingang habe vor allem die Region Asien-Pazifik beigetragen, hiess es weiter. Wachstum sei jedoch auch in Nordamerika und Europa erzielt worden. Nur in Südamerika lief das Geschäft wegen der Rezession in Brasilien schlecht.

GEWINNVERGLEICH VERZERRT

Die Gewinnzahlen sehen auf den ersten Blick schlecht aus. Das Betriebsergebnis auf Stufe EBIT nahm um 12% auf 1,00 Mrd CHF ab, der Reingewinn sogar um 17% auf 747 Mio CHF. Der Vergleich ist jedoch verzerrt, weil im Vorjahr diverse Sondereffekte zu verzeichnen waren. Auf vergleichbarer Basis hätte etwa der EBIT um 17% zugelegt, betonte das Management. Und die Marge (10,7%) wäre gestiegen statt gesunken.

Die Aktionäre von Schindler erhalten dennoch eine geringere Ausschüttung von 2,70 CHF je Namenaktie und Partizipationsschein. Im Vorjahr waren es 3,20 CHF pro Valor gewesen, aufgeteilt auf eine ordentliche Dividende von 2,20 CHF und eine Zusatzdividende von 1,00 CHF.

Keine News gab es zu einem möglichen Aktienrückkauf, auf den manche Investoren gehofft hatten. "Der Verwaltungsrat hat sich für eine Pause entschieden, das Thema bleibt aber auf seiner Agenda", sagte CFO Erich Ammann.

Abgesehen vom Umsatzziel gab es keine weiteren offiziellen Ziele. So soll ein Gewinnziel erst bei der Publikation der Halbjahreszahlen genannt werden. Der neue CEO Oetterli erklärte immerhin, dass er eine Margenverbesserung anstrebe. Es sei für 2016 mit einer EBIT-Marge von über 11% zu rechnen.

An der Börse legen die Schindler-Papiere 2,3% zu. Analysten lobten insbesondere den Auftragseingang gegen Jahresende.

Keine News gab es im Übrigen zu den juristischen Problemen in China. Die Untersuchungen seien noch im Gang, hiess es. Zehn Personen seien in Gewahrsam. Das Management wiederholte früher gemachte Aussagen, dass die Untersuchungen der chinesischen Behörden keine signifikanten Auswirkungen auf das Geschäft haben sollten. Laut dem noch amtierenden CEO Silvio Napoli sieht sich Schindler unverändert als Opfer der Vorkommnisse.

rw/ra

(AWP)