Schmolz+Bickenbach schneidet in Q3 wie erwartet ab - Vorsichtige Töne

(Zusammenfassung)
15.11.2016 12:29

Luzern (awp) - Der Stahlhersteller Schmolz+Bickenbach hat trotz des nach wie vor herausfordernden Umfeldes im dritten Quartal die Markterwartungen in etwa erfüllt. Gerade beim Blick nach vorne ist das Management aber klar bemüht, keinen verfrühten Optimismus aufkommen zu lassen. Man rechne 2017 nicht mit einem deutlichen Nachfrageanstieg und auch der Ausblick auf die gesamtwirtschaftliche Lage geben keinen Anlass für übertriebenen Optimismus, erklärte CEO Clemens Iller in einer Telefonkonferenz. Die Reaktion am Markt ist entsprechend.

Wie der Stahlhersteller am Dienstag mitgeteilte, hat er im dritten Quartal 2016 trotz rückläufiger Umsatz- und Absatzzahlen seine Profitabilität verbessert. Entsprechend sind auch die Margen gestiegen. "Diese Verbesserungen sind hart erkämpft", fasst CFO Matthias Wellhausen die Entwicklung zusammen.

Den Umsatz für das dritte Quartal beziffert der Stahlhersteller auf 534,1 Mio EUR, ein Rückgang gegenüber dem Vorjahreszeitraum von 13,8% - und das trotz höherer Verkaufspreise. Der Absatz nahm um 4,6% auf 391 Kilotonnen ab. Insgesamt habe sich am wirtschaftlichen Umfeld gegenüber dem Vorquartal wenig verändert.

LÄNGERE STILLSTANDZEITEN TRAGEN ZU UMSATZRÜCKGANG BEI

Zu der Umsatz- und Absatz-Entwicklung im dritten Quartal hätten länger als geplant ausgefallene Stillstandzeiten beigetragen. Ausserdem sei es zu Verzögerungen beim Hochfahren der neu gebauten Hakenbahn bei der Business Unit Swiss Steel gekommen, und ein Brandfall bei den Deutschen Edelstahlwerken habe zu einem Produktionsausfall geführt. Beides zusammen habe rund 25 Kilotonnen Produktion gekostet.

Auf die einzelnen Regionen herunter gebrochen waren die Umsatzerlöse in allen Regionen rückläufig. Besonders deutlich fielen die Umsätze in der Region Übriges Europa (ohne CH, D E, FR, IT ) und den USA. Das Geschäft in der Region litt unverändert unter der schwachen Nachfrage aus der Öl - und Gasindustrie.

Gefragt nach den Erwartungen an die neue US-Regierung und die möglichen wirtschaftlichen Folgen bittet sich CEO Iller noch etwas mehr Zeit aus. Es sei noch zu früh, um etwas über die künftige Wirtschaftspolitik von Donald Trump zu sagen. Klar sei nur, dass die Einführung von Strafzöllen mit Sicherheit für einen erhöhten Wettbewerbsdruck sorgen werde, da die betroffenen Unternehmen dann versuchen dürften, ihre Waren auf anderen Märkten loszuschlagen.

KOSTENDISZIPLIN TRÄGT ZUR GEWINNENTWICKLUNG BEI

Mit Blick auf das abgelaufene Quartal heben Iller und CFO Wellhausen die Verbesserung der Profitabilität hervor. Der bereinigte EBITDA im dritten Quartal wurde auf 31,8 Mio EUR vervielfacht - im Vorjahr standen hier 11,5 Mio zu Buche. Die habe an einem höheren Bruttogewinn und einer strikten Kostendisziplin gelegen. Die EBITDA-Marge kletterte auf 6,0% nach 1,9% im dritten Quartal 2015.

Der Verlust vor Zinsen und Steuern (EBIT) konnte auf 4,4 nach 19,6 Mio eingedämmt werden. Unter dem Strich verbleibt ein Verlust von 13,9 Mio, nachdem im Vorjahr ein Fehlbetrag von 32,4 Mio EUR ausgewiesen worden war.

AUSBLICK ANGEPASST

Beim Blick nach vorne passt der Konzern seine bisherige Prognose leicht an. Der Stahlhersteller rechnet nun damit, beim bereinigten EBITDA im Gesamtjahr einen Wert am unteren Rand der bislang in Aussicht gestellten Spanne von 150 bis 190 Mio EUR zu erzielen. Bei den Absatzmengen rechnet die Gesellschaft mit einer im Vergleich zu 2015 unveränderten Menge.

Vor allem aber beim Blick auf 2017 schlagen die Manager vorsichtige Töne an. Sie seien vorsichtig was das künftige Wachstum der Weltwirtschaft betrifft. Mit einem starken Zuwachs sei da nicht zu rechnen. "Wir gehen daher auch nicht von einer ausgeprägten Nachfragebelebung aus", bereitet Iller die Investoren auf ein erneut anspruchsvolles Jahr vor.

An der Börse fällt die Reaktion entsprechend aus: Nachdem die Aktien im frühen Handel noch um mehr als 2% gestiegen waren, notieren sie um 12.15 Uhr unverändert bei 0,72 CHF. Der Gesamtmarkt ist mittlerweile ebenfalls leicht im Minus, wie der SPI mit einem Abschlag von 0,09% zeigt.

hr/ra

(AWP)