Schweizer Aktien - Zollstreit und Zinssorgen halten Schweizer Börse im Griff

Die Sorgen um die Folgen des von den USA losgetretenen Handelsstreits mit China und die anziehenden US-Zinsen haben die Schweizer Börse am Montag belastet.
08.10.2018 17:45

Der SMI sinkt um 0,9 Prozent auf 8964 Punkte und setzt damit den Abwärtstrend der Vorwoche fort. Das Geschäft verlief laut Händlern in vergleichsweise ruhigen Bahnen. "Die Märkte in Japan und Kanada sind feiertagsbedingt geschlossen und in den USA wird am Bondmarkt wegen des Columbus Day nicht gehandelt", sagt ein Börsianer.

Experten erklären, angesichts der brummenden US-Konjunktur sorgten sich die Anleger vor aggressiveren Zinserhöhungen der US-Notenbank Fed. Einiges spreche dafür, dass der Schwellenwert, bei dem das internationale Renditeniveau die Aktienmärkte unter Druck setze, in Greifweite liege, erklärt die Zürcher Kantonalbank. "Wir schliessen daraus, dass es in den nächsten Wochen zu einer ausgeprägten Berg- und Talfahrt an den Aktienmärkten kommen könnte", so die Strategen der Bank.

Zusätzlich trübe weiterhin der Streit um die Haushaltspläne der italienischen Regierung die Stimmung ein. Der stellvertretende italienische Ministerpräsident Matteo Salvini bezeichnete EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker und Wirtschaftskommissar Pierre Moscovici als Feinde Europas.

Optimistische Händler

Allzu grosse Sorgen machen sich die Händler aber nicht. Der SMI dürfte bald Boden finden, heisst es. "Wir befinden uns zwischen 8800 und 9200 Punkten innerhalb eines Handelskanals, in dem sich die beiden Eckwerte mehrfach als Wendepunkte erwiesen haben", sagt ein Händler. "Wir haben uns mehr als einmal kurz vor 9200 Punkten den Kopf gestossen und mussten etwas weiter unten neuen Anlauf holen."

Fast alle Schweizer Standardwerte geben nach. Zu den stärksten Verlierern zählen zyklische Werte wie die der Bauzulieferer Sika und LafargeHolcim und der Luxusgüter-Hersteller Richemont und Swatch mit Einbussen von 2,2 bis 3,5 Prozent.

Auch bei den Banken dominieren Abgaben. Credit Suisse fallen um 1,6 und UBS um 2,0 Prozent. Am Montag begann in Frankreich der Prozess gegen die UBS und einige ihrer Ex-Mitarbeiter wegen Beihilfe zur Steuerhinterziehung. Der Fall, der sich bereits über Jahre hinzieht, ist eine der grössten noch offenen Rechtsstreitigkeiten für das Geldhaus. Im schlimmsten Fall droht der Schweizer Bank eine Busse von bis zu fünf Milliarden Euro.

Stützende Schwergewichte

Besser hielten sich die Versicherungswerte: Swiss Re und Zurich schwächen sich um rund ein halbes Prozent ab. Auch der Personalvermittler Adecco schlug sich mit minus 0,4 Prozent relativ gut.

Der als defensiv taxierte Pharmawert Roche und der Lebensmitteltitel Nestlé verlieren minimal oder sind gehalten. Novartis geben 0,8 Prozent ab.

Vergleichsweise gut schlugen sich auch kleinere Lebensmittelwerte. Die Scheine von Lindt&Sprüngli sind knapp gehalten. Der zweite Schokoladewert Barry Callebaut verteuert sich um 1,7 Prozent. Händler erklären, in unsicheren Zeiten steuerten die Anleger oft Nahrungsmitteltitel als sichere Häfen an.

Gefragt waren auch Aktien von Versorgern. Der Stromtitel BKW rückt um 1,9 Prozent vor. Alpiq sind gehalten. Auch im Jahresvergleich stark gefallene Anteile erfreuten sich einer gewissen Nachfrage. Landis&Gyr gewinnen 3,0 Prozent. Dottikon legen 2,1 Prozent zu.

Sonova auf Tauchgang

Bei den Nebenwerten sacken Sonova 8,7 Prozent ab. Händler erklären, die amerikanische Bose habe die US-Marktzulassung für ein Hörgerät bekommen, das der Nutzer selbst anpassen kann. Die Nachricht setzte neben Sonova auch die Aktien anderer etablierter Anbieter wie etwa William Demant und GN Store Nord aus Dänemark unter Druck.

Aber auch andere Technologiewerte wie AMS, Kudelski und Inficon geben nach und folgen damit den negativen Vorgaben aus den USA, wo der Index der Technologiebörse Nasdaq nach Gewinnmitnahmen Terrain eingebüsst hat.

(Reuters/cash)