Schweizer Börse legt zu, SPI knackt 10'000er Marke

Unterstützt von besser als erwarteten Firmenbilanzen und der Aussicht auf eine anhaltend lockere Geldpolitik in Europa hat die Schweizer Börse am Donnerstag angezogen.
27.04.2017 17:35

Der Markt hat Händlern zufolge aber etwas an Schwung verloren. "Wir sind auf Jahreshoch, eine Atempause wäre nicht unerwünscht", sagt ein Börsianer.

Der Leitindex SMI notiert mit 8845 Punkten um 0,2 Prozent höher. Der breite SPI steigt um 0,3 Prozent auf 10'003 Punkte und steht damit erstmals über die psychologisch wichtige Marke von 10'000 Zählern.

Frischen Wind könnten die Märkte erhalten, wenn die geplante Steuerreform von US-Präsident Donald Trump durch den Kongress komme und wenn klarwerde, wie diese finanziert werden soll, heisst es am Markt. Die Regierung in Washington will vor allem die Unternehmen massiv entlasten, die Firmensteuer wird auf 15 Prozent gesenkt. Auch sollen Abgaben auf im Ausland erwirtschaftete Erträge gesenkt werden.

Positivere EZB-Einschätzung stützt den Markt

Auch die etwas positivere Konjunktureinschätzung von EZB-Chef Mario Draghi trug zur Stimmungsverbesserung bei. Die EZB hält dennoch an ihrer Geldpolitik fest. "Draghi schlug zwar einen leicht optimistischeren Ton hinsichtlich des Wirtschaftsausblickes an, doch dies sollte nicht gleichgesetzt werden mit einer baldigen Normalisierung der Geldpolitik", sagt Thomas Gitzel von der Liechtensteiner VP Bank.

Im Fokus standen zahlreiche Unternehmensergebnisse. "Die meisten Bilanzen sind gut, zum Teil besser als erwartet", sagt ein Händler. Bei den Standardwerten waren die Pharmawerte gefragt. Die stärkste Stütze ist Roche: Die Genussscheine ziehen 1 Prozent an. Der Pharmakonzern sieht sich nach dem ersten Quartal auf Kurs zu seinen Jahreszielen. 2017 werde ein Umsatzanstieg um einen niedrigen bis mittleren einstelligen Prozentbetrag anvisiert. Die Verkaufserlöse stiegen um 4 Prozent auf 12,9 Milliarden Franken und damit stärker als von Analysten erwartet, die im Schnitt 12,7 Milliarden Franken prognostiziert hatten. Auch am Gewinnziel hält das Unternehmen fest. "Über Konsens und unseren Schätzungen", erklärt ZKB-Analyst Michael Nawrath. Die Titel von Rivalin Novartis rücken ebenfalls 1 Prozent vor.

Die Aktien von Clariant steigen um 4,3 Prozent. Der Chemiekonzern habe die Markterwartungen deutlich geschlagen, heisst es. Ebenfalls mit höheren Kursen honorierten die Anleger die besser als erwartet ausgefallenen Quartalsberichte des Land- und Spezialfahrzeugbauers Bucher und des Zahnimplantate-Herstellers Straumann. Die Aktien rücken 4,3 und 5,4 Prozent vor.

Trotz Trendwende beim Export wenig Bewegung in den Uhrenaktien

Die Aktien von Swatch und Richemont sind wenig verändert. Händler zeigen sich enttäuscht. Denn erstmals seit 20 Monaten stiegen die Schweizer Uhrenexporte im März wieder. "Nach dem starken Kursanstieg von Swatch und Richemont im laufenden Jahr um ein Viertel dürfte die Trendwende der Exporte in den Aktienkursen bereits eingepreist gewesen sein", sagt ein Händler.

Die Bankaktien gaben einen Teil der jüngsten Kursgewinne wieder preis. Credit Suisse sinken am Tag vor der mit Spannung erwarteten Generalversammlung um 2,9 Prozent. UBS, die am Freitag den Quartalsbericht veröffentlicht, sinken um 0,2 Prozent. Die Versicherer schwächen sich leicht ab. "Mit der Aussicht auf weiterhin rekordtiefe Renditen schwinden auch die Hoffnungen auf bessere Margen in der Finanzindustrie", sagt ein Händler.

Die Aktien zyklischer Firmen zogen mehrheitlich an. ABB steigen um 0,5 Prozent, SGS rücken 0,9 Prozent vor und Geberit gewinnen 0,5 Prozent an Wert.

Gefragt blieben Werte aus der zweiten Linie, die Händlern zufolge von Käufen von Fonds profitierten. "Die Anleger wollen dabei sein, wissen aber nicht, wo sie investieren sollen und kaufen daher Fondsanteile", sagt ein Börsianer. "Dass Nebenwerte wie Bucher, SFS, Bossard und viele andere auf Rekordhoch notieren, liegt daran, dass immer mehr Anleger passiv in Index- oder Themengefässe investieren", sagt ein Börsianer.

(Reuters)