Schweizer Börse von Gewinnmitnahmen belastet

Der Schweizer Aktienmarkt steht am Donnerstagmittag weiterhin im Minus. Ein Teil stärkerer Verluste aus dem frühen Geschäft wurde mittlerweile aber abgebaut.
27.04.2017 12:30

Die Marke von 8800 Punkten ist wieder zurückerobert. Nach der "Frankreich-Hausse" der ersten drei Wochentage befinde sich der Markt im Konsolidierungsmodus, heisst es in Marktkreisen. Es werden also vorerst Gewinne mitgenommen. Dass der Gesamtmarkt nicht tiefer steht, verdankt er unter anderem den mittlerweile doch recht festen Roche, im Fokus stehen aber auch andere Spezialsituationen.

Getrübt wird die Stimmung von den Ankündigungen der US-Regierung zu den Steuerplänen, die den hohen Erwartungen der Finanzmärkte nicht entsprochen haben. Dies sei einerseits nicht überraschend gekommen, habe aber gleichwohl eine gewisse Enttäuschung hervorgerufen, heisst es dazu. Zudem sei es fraglich, ob die Steuerpläne überhaupt vom US-Kongress verabschiedet werden. Am Nachmittag rückt bereits die Europäische Zentralbank mit ihrem Zinsentscheid in den Fokus, trotz der zuletzt starken Konjunkturdaten erwarten Ökonomen allerdings noch keine Signale für eine Straffung der Geldpolitik.

Der SMI steht kurz vor Mittag 0,2% tiefer bei 8815 Punkten. Der 30 Titel umfassende SLI, in dem die grössten Titel nicht mit der ganzen Gewichtung enthalten sind, gibt 0,4% auf 1408 Punkte nach und der breite SPI 0,1% auf 9967 Punkte. Von den 30 Bluechips geben rund zwei Drittel nach.

Roche-Bons nach Quartalszahlen gesucht

Roche (+1,0%) bauen die frühen Gewinne nach Umsatzzahlen bis am Mittag aus. Insbesondere der Bereich Pharma und dort einige Blockbuster wie Rituxan, Herceptin oder Avastin haben Umsätze am oberen Ende der Erwartungen erreicht. Gerade der starke Absatz mit diesen drei umsatzträchtigsten Medikamenten wird in ersten Kommentaren aus der Analystengemeinde sehr gelobt. Aber auch ein Hoffnungsträger wie Tecentriq oder auch die Division Diagnostics schlugen den Konsens leicht.

Mit Abstand an der Spitze bei den Bluechips stehen aber weiterhin Clariant (+2,3%). Nicht nur beim Umsatz, auch beim bereinigten EBITDA hat der Spezialitätenchemiekonzern aus Basel die Analystenerwartungen in den ersten drei Monaten ziemlich deutlich übertroffen. Punkten kann Clariant insbesondere mit dem prozentual zweistelligen Wachstum in Lokalwährungen in Schlüsselmärkten wie Europa oder Asien. Ein Analyst weist zudem darauf hin, dass das organische Umsatzwachstum so hoch ausgefallen sei wie seit zwei Jahren nicht mehr.

Zu den Top 6 gehören noch Galenica (+1,2%), Givaudan (+0,5%), SGS (+0,4%) und Geberit (+0,3%), letztere im Vorfeld des Quartalsergebnisses vom kommenden Dienstag.

Swiss Life fällt um den Dividendenbetrag

Die längere Verliererliste wird von Swiss Life angeführt, welche 3,4% oder 11,30 Franken nachgegen. Dieser Abschlag entspricht indes in etwa der abgezogenen Dividende von 11 Franken.

Unter Abgabedruck stehen die allesamt an den Vortagen gut gelaufenen Dufry, CS (je -2,2%) und UBS (-1,1%). Dufry profitierte dabei zuletzt vom Einstieg der chinesischen HNA-Gruppe, CS von den Quartalszahlen, bzw. von der definitiven Absage eines IPO für das Schweizer Geschäft.

Für Lafarge-Holcim (-0,8%) hat Bernstein das Kursziel bei unverändertem Rating "Market Perform" leicht reduziert. In ähnlichem Umfang büssen auch Swisscom und die jüngst ebenfalls sehr starken Lonza ein. Lonza werde ab kommendem Mittwoch im SMI geführt.

Bucher mit vielen Aufträgen im ersten Quartal gefragt

Im breiten Markt ziehen jeweils nach starkem Auftragseingang im ersten Quartal die Aktien von Bucher Industries (+4,4%) sehr deutlich und Sulzer (+0,6%) nach volatilem Beginn etwas moderater an.

Gesucht sind auch die Titel des Dentalimplantatherstellers Straumann (+2,7%), nachdem dieser den Umsatz für das erste Jahresviertel vorgelegt hat.

Die Aktien des Hedge-Fund-Spezialisten Lumx (vormals Gottex) brechen dagegen nach den Jahreszahlen für 2016 um knapp 12% ein.

Jeweils nach kleineren Akquisitionen fallen BKW (+0,1%) und Gurit (unv.) nicht gross auf.

(AWP)