Schweizer Privatbanken laut Studie zu wenig in Wachstumsmärkten präsent

(Ergänzt um weitere Informationen aus der Medienkonferenz) - Bei Schweizer Privatbanken stagniert einer Studie zufolge das Neugeldwachstum. Dies liegt demnach vor allem daran, dass die Institute zu wenig in Wachstumsmärkten präsent sind.
22.08.2019 13:40

Die Zahl der vermögenden und sehr vermögenden Menschen nimmt weltweit und insbesondere in den Schwellenländern zu. Davon müssten eigentlich die Schweizer Privatbanken profitieren.

Das schwierige Marktumfeld des Jahres 2018 habe die Schwäche der Schweizer Privatbanken schonungslos offengelegt, sagte Christian Hintermann vom Beratungsunternehmen KPMG am Donnerstag vor den Medien. Dabei bezog er sich auf eine Privatbankenstudie mit der Universität St. Gallen. Die meisten Institute hätten im vergangenen Jahr ihre Neukundengelder bei weitem nicht ausreichend steigern können, so Hintermann.

Im Median betrug das Nettoneugeldwachstums 2018 lediglich 0,2 Prozent. Das ist gemäss Hintermann ernüchternd, nachdem nun Altlasten wie Kundengeldabflüsse auf Grund der Steuertransparenz oder die Einführung strengerer Regulierungs- und Compliance-Vorschriften nicht mehr im Vordergrund stünden. "Es gibt keine Entschuldigung mehr", so der KPMG-Experte weiter.

Gewinnung von Neukunden begrenzt

Hintermann geht mit den Banken hart ins Gericht: Die stagnierende Neugeldentwicklung zeige, dass die meisten Privatbanken ihre Geschäfts- und Betriebsmodelle nicht ausreichend verbessert oder ihre Strategie nicht optimal angepasst hätten, um ihren Erfolg nachhaltig zu sichern.

Die Privatbanken sind Hintermann zufolge zu selten in Wachstumsmärkten präsent. Das mache es schwierig, Neukunden zu gewinnen. In der Folge sei der globale Marktanteil der Schweizer Privatbanken rückläufig.

Dass die meisten Institute versagt hätten, zeige sich auch an anderen Kennzahlen. Nur ein Drittel der Privatbanken konnte 2018 das Verhältnis vom Aufwand zum Ertrag, die sogenannte Cost/Income-Ratio, verbessern. Der Median stieg um 1,9 Prozentpunkte auf ein neues Allzeithoch von 83,6 Prozent.

Die operative Gewinnmarge erodierte im vergangenen Jahr nach einer Erholung im Vorjahr. Lediglich 39 Prozent der Schweizer Privatbanken hätten 2018 ihre operative Gewinnmarge steigern können.

Die Eigenkapitalrendite setzte 2018 ihren Negativtrend fort und war bei über der Hälfte aller Privatbanken rückläufig. Die mediane Rendite der untersuchten Privatbanken war mit nur 4,1 Prozent unter dem angestrebten Niveau von rund 8 bis 10 Prozent, das in etwa den Eigenkapitalkosten entspricht.

Konsolidierung hält an

Das Versagen vieler Privatbanken könnte auch etwas mit der Zusammensetzung der Unternehmensführung zu tun haben, deutet Hintermann an. Das Durchschnittsalter der Verwaltungsratsmitglieder in Schweizer Privatbanken stieg zwischen 2012 und 2018 von 59 auf 62 Jahre, während sich das Durchschnittsalter der Geschäftsleitungsmitglieder um ein Jahr auf 52 Jahre erhöhte.

Des Weiteren verzeichneten über 40 Prozent der Privatbanken in den letzten sieben Jahren keinen CEO-Wechsel. Angesichts der vielen Probleme, in den die Privatbanken stecken, wären neue Ansätze und neue Gesichter dringend erforderlich, sagte Hintermann.

Dieser geht davon aus, dass sich die Konsolidierungswelle bei den Schweizer Privatbanken, deren Zahl sich seit 2010 um 62 auf 101 Institute verringert hat, weiter fortsetzten wird. Dafür spräche, dass sich die Geschäftszahlen der Privatbanken 2019 trotz der anhaltend starken Finanzmärkte weiter verschlechtert hätten.

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(AWP)