Schweizer Privatbanken verlieren weiter Marktanteile

(Meldung ausgebaut)
25.08.2016 15:42

Zürich (awp/sda) - 2015 war für die Schweizer Privatbanken ein düsteres Jahr. Die Ergebnisse der meisten Institute haben sich weiter verschlechtert. Jede zehnte Bank wurde vom Markt verdrängt.

Das ist das Resultat der am Donnerstag publizierten Privatbanken-Studie des Beratungsunternehmens KPMG und der Universität St. Gallen. Für die Studie wurden die Daten von 87 Schweizer Privatbanken und Private-Banking-Einheiten analysiert. Wegen der Vergleichbarkeit im Rahmen der Studie wurden die zwei Grossbanken und die drei grossen Genfer Privatbanken nicht berücksichtigt.

Die Studie zeigt vor allem, dass sich die Lage der Branche 2015 weiter verschlechtert hat. Die Rendite auf dem Eigenkapital ist zwar von 3,5 auf 3,8% angestiegen (Median). Der Anstieg ist jedoch gemäss den Studienautoren lediglich darum zustande gekommen, weil 10 besonders schwache Banken aus der Bewertung fielen, die 2015 verkauft oder liquidiert wurden.

Bei den übriggebliebenen ist bei zwei Dritteln die Eigenkapitalrendite gesunken. Der Anteil der Banken, die sogar Verluste schreiben, hat sich von 26,8% auf 27,6% erhöht.

WEITERER MARGENSCHWUND

Dass es für die Schweizer Privatbanken deutlich schwieriger geworden ist, mit der Verwaltung von privaten Vermögen Geld zu verdienen, zeigt auch die Entwicklung der Marge. Während 2011 im Durchschnitt mit der Verwaltung von 100'000 Franken noch 990 Franken verdient wurde, fiel der Ertrag mit 890 Franken im vergangen Jahr um 10% tiefer aus. Nur 32% der Banken haben es gemäss der Studie geschafft, im vergangen Jahr die Marge zu halten oder sogar zu steigern.

Ebenfalls keinerlei Aufwärtstrend zeigt sich bei den Neugeldern. Die untersuchten Institute konnten im vergangene Jahr zwar Neugelder im Umfang von insgesamt 4,3 Milliarden Franken anziehen. Das entspricht jedoch lediglich einem Anteil der verwalteten Vermögen von 0,3%. Im Vergleich zum globalen jährlichen Anstieg der Vermögen zwischen 5 und 10% hat die Branche damit Marktanteile verloren.

Das Fazit der Studienautoren fällt entsprechend ernüchternd aus. "Hier von einer Branche zu sprechen, die gesund ist, wäre ziemlich verwegen", sagte Christian Hintermann von der KPMG an einer Medienkonferenz in Zürich. In Bezug auf die Grösse als Erfolgsfaktor stellte Hintermann fest, dass ein Grossteil der kleinen Banken in Schwierigkeiten steckt. Ganz allgemein gelte, dass die bereits zuvor schwachen Banken im vergangenen Jahr noch schwächer geworden seien.

Grössere Privatbanken im Vorteil

Dieser Trend wird sich gemäss den Studienautoren zudem fortsetzen. Denn die Entwicklung in der Branche bevorteile die grösseren Institute, sagte Hintermann. Sie könnten einerseits wegen ihrer Grösse die Wachstumschancen zum Beispiel in Asien nutzen. Andererseits hätten diese auch genügend Substanz, um sich den neuen regulatorischen Anforderungen anzupassen und die nötige Digitalisierung voranzutreiben.

"Wachstum ist die einzige Überlebensstrategie", sagte Hintermann. Die Optimierung alter Geschäfts- und Betriebsmodelle alleine reiche nicht mehr.

Eine Ausdehnung der Geschäftstätigkeit wird jedoch gemäss den Studienautoren nicht allen Instituten gelingen. Sie prognostizieren, dass sich die Zahl der Schweizer Privatbanken in den nächsten Jahren um 30% reduzieren wird. Aktuell gibt es noch 117 Privatbanken in der Schweiz. Vor zehn Jahren waren es noch 175.

mk

(AWP)