Schweizer Unternehmen laut Studie mit Aufholbedarf bei der Vergütungstransparenz

Zürich (awp) - Die Informationen zur Vergütungspolitik von Schweizer Unternehmen werden von Investoren als unzureichend gesehen. Laut einer Studie des Schweizer Stimmrechtsberaters SWIPRA ist die Mehrheit der Investoren der Ansicht, dass sich die Managementlöhne nicht an der Performance orientieren. Vor diesem Hintergrund sei eine Abstimmungspflicht für Investoren kritisch zu beurteilen, heisst es in der am Montag veröffentlichten Studie.
31.10.2016 09:47

Eine Mehrheit von 53,6% der Investoren ist der Meinung, dass das Management nicht anhand der gebotenen Leistung bezahlt wird. Demnach steht für Pensionskassen, Vermögensverwalter und Fondsgesellschaften die Vergütung des Managements von kotierten Schweizer Unternehmen "in keinem vernünftigen Verhältnis zur ausgewiesenen Leistung", so die Studie.

Dies liege vorwiegend an der Kommunikation bzw. an der unzureichenden Offenlegung. Demnach seien nur 8,9% der Investoren mit den verfügbaren Informationen zufrieden. Zudem käme erschwerend hinzu, dass eine deutliche Mehrheit der Investoren (67,3%) und Unternehmen (74,7%) das Thema variable Vergütungen als zunehmend komplex einstufe. Ein internationaler Vergleich zeige zudem, dass sich ein grosser Graben zwischen der Schweiz und dem Ausland ergebe. Eine grosse Mehrheit von 66,7% aller Investoren beurteilen die verfügbaren Informationen bezüglich leistungsorientierter Vergütung im Ausland als "gehaltvoller" als in der Schweiz.

KONTRAPRODUKTIVE ABSTIMMUNGSPFLICHT

Eine weitere zentrale Erkenntnis der SWIPRA "Corporate Governance Umfrage 2016" zeige ausserdem, dass ein überwiegender Teil der Schweizer Investoren ihrer Stimmrechtsausübung wenig Wert zumisst und sich zudem nicht am direkten Austausch mit Unternehmen beteiligt. In der Schweiz seien lediglich die Hälfte der Vermögensverwalter und nur 22,6% der Pensionskassen der Ansicht, dass sie mit ihren Stimmrechten im Unternehmen Wert schaffen und Einfluss nehmen können, heisst es weiter.

Eine Abstimmungspflicht für Schweizer Vermögensverwalter sei vor diesem Hintergrund kritisch zu beurteilen, meint Barbara Heller, Geschäftsführerin von SWIPRA. "Ein Stimmzwang birgt die Gefahr, dass Investoren die Traktanden an Generalversammlungen auf möglichst einfache Art und Weise beurteilen werden", wird Heller in der Mitteilung zitiert.

sta/cf

(AWP)