Schwergewicht Nestlé bremst Erholung an Schweizer Börse

Wenige Tage vor den Präsidentschaftswahlen in Frankreich sind die Anleger an der Schweizer Börse vorsichtig.
19.04.2017 17:40

"Die Wahl in Frankreich ist das zentrale Thema, das alles dominiert", sagt ein Händler. "Bis das hinter uns liegt, dürfte eine gewisse Nervosität der Anleger spürbar sein", sagt ein anderer Börsianer. Mit den für Anfang Juni angesetzten Parlamentswahlen in England sei ein zusätzlicher Unsicherheitsfaktor aufgetaucht. Zudem habe auch das bisher Zugpferd Wall Street etwas an Schwung verloren.

Der SMI notiert mit 8532 Punkten praktisch unverändert gegenüber dem Vortag. Am Dienstag war der Leitindex um 1,2 Prozent gefallen.

Bei einem Sieg der rechtsextremen Politikerin Marine Le Pen, die Frankreich aus der Euro-Zone herauslösen will, könnte es zu Turbulenzen an den Märkten kommen, befürchten Analysten.

Der Schweizer Markt habe im späteren Geschäft zwar die Verluste eingegrenzt, doch Abgaben im Marktschwergewicht Nestlé bremsten die Erholung aus. Anleger befürchteten wohl, dass der Lebensmittelkonzern am Donnerstag mit dem Quartalsbericht enttäuschen könnte, sagt ein Händler. Von Reuters befragte Analysten erwarten, dass der Nahrungsmittelkonzern im ersten Quartal leicht an Schwung verloren haben könnte. Die von L'Oreal veröffentlichten Quartalszahlen enttäuschten laut Analysten leicht, was den Aktienkurs zusätzlich etwas gedrückt haben könnte. Nestlé ist mit 23 Prozent an dem Kosmetikkonzern beteiligt. Die Nestlé-Aktien sind um 0,9 Prozent tiefer, was den SMI mit 20 Punkten belastet.

Die Aktien von ABB legen dagegen - dividendenbereinigt - zu. Der Elektrotechnikkonzern veröffentlicht am Donnerstag ebenfalls Angaben zum ersten Quartal 2017. Die ABB-Aktien wurden zudem mit einem Dividendenabschlag von 0,76 Franken je Titel gehandelt.

Bankaktien auf Erholungskurs

Auf Erholungskurs steuerten die Bankaktien. Ein besser als erwartetes Quartalsergebnis der US-Bank Morgan Stanley und leicht steigende Anleihenrenditen in den USA hätten dem Sektor zusätzlich Auftrieb gegeben, sagt ein Händler. Morgan Stanley erfreute die Investoren mit einem starken Gewinnsprung. Die US-Bank profitierte wie die meisten Konkurrenten vom florierenden Handelsgeschäft. Am Vortag hatte Goldman Sachs die Anleger enttäuscht, was den Banken zusätzlich zu schaffen gemacht hatte.

Die Aktien von Credit Suisse und UBS holen mit Kursgewinnen von 1,5 Prozent die Vortageseinbussen auf. Die Papiere der Vermögensverwalter Julius Bär, GAM und EFG International ziehen ebenfalls kräftig an. Die Aktien der Kreditbank Cembra Money Bank steigen um 2,2 Prozent auf ein Rekordhoch. Die meisten Assekuranzwerte pendelten sich um die Vortageskurse ein.

Leicht verbessert zeigen sich die als krisenresistent geltenden Pharmatitel Novartis und Roche.

Börsenneuling Galenica Santé schwächelt leicht

Cosmo Pharma und Galenica verbuchen höhere Kurse und erholen sich damit von den im Fahrwasser der Schwäche der Pharmawerte erlittenen Verluste. Börsenneuling Galenica Santé war 0,2 Prozent leichter mit 44,35 Franken. Die Aktie war zu 39 Franken bei Anlegern platziert worden.

Aktien zyklischer Firmen setzten zu einer Erholung an. Vor allem Werte, die am Dienstag unter die Räder geraten seien, machten Boden gut. Der Zementkonzern Lafarge-Holcim, der Personalvermittler Adecco, der Sanitärtechniker Geberit und Anlagenbauer wie Oerlikon und Sulzer rücken vor. Bei den Luxusgütertiteln sind Richemont schwächer und Swatch fester.

Gewinnmitnahmen bremsen seit Jahresanfang stark gestiegene Titel wie Logitech oder Villars. Von Roll küpfen an die jüngsten Kursanstiege an und steigen weitere 0,8 Prozent.

Die Aktien der Immobilienfirma Allreal legen zu und markieren bei 169,30 Franken einen neuen Höchstwert.

(Reuters)