Shell überrascht trotz Ölpreisrutsch mit Gewinnsprung

(Ausführliche Fassung)
01.11.2016 10:03

LONDON (awp international) - Der Ölkonzern Royal Dutch Shell hat dank einer höheren Produktion im Zuge der BG- Group-Übernahme und Sparmassnahmen den Gewinn im dritten Quartal gesteigert. Shell kämpft seit längerem mit Kostensenkungen, Investitionszurückhaltung und dem Verkauf von Unternehmensteilen gegen den Ölpreisverfall. Die niedrigen Ölpreise blieben eine erhebliche Herausforderung und der Ausblick bleibe "unsicher", mahnte Shell-Chef Ben van Beurden bei der Vorlage des Quartalsberichts am Dienstag. Am Finanzmarkt konnte er mit den Kennzahlen punkten. Die Aktien legten im frühen Handel um 3,7 Prozent zu.

Unter dem Strich verdiente der britisch-niederländische Konzern im dritten Quartal 1,45 Milliarden US-Dollar. Vor einem Jahr hatten hohe Wertberichtigungen noch für einen Verlust von 6,12 Milliarden Dollar gesorgt. Der für die Analysten wichtige bereinigte Gewinn zu Wiederbeschaffungskosten legte um 18 Prozent auf 2,79 Milliarden Dollar zu. Das war eine Milliarde mehr als von den Experten im Schnitt erwartet. Den Aktionären will Shell für das dritte Quartal mit 0,47 Dollar je Aktie eine stabile Dividende zahlen.

Shell kämpft seit längerem gegen den Ölpreisverfall. Der Konzern hat im Februar die Mega-Übernahme des Konkurrenten BG Group abgeschlossen. BG Group ist für Shell unter anderem wegen seiner Gasfelder in Brasilien interessant. Shell hatte bereits angekündigt, im Zuge der Übernahme 12 500 Stellen abzubauen. Die Integration sei nun im Kern abgeschlossen.

Um die Folgen der sinkenden Ölpreise abzufedern will der Konzern Unternehmensteile im Milliarden-Wert abstossen. Im kommenden Jahr dürften die Investitionen zudem mit rund 25 Milliarden Dollar am unteren Ende der bisher angegebenen Spanne von bis zu 30 Milliarden Dollar liegen, kündigte der Manager an. Im laufenden Jahr liegt das Volumen bei 29 Milliarden.

Die jüngste Erholung der Ölpreise steht laut ETX-Analyst Neil Wilson auf unsicheren Beinen. Trotz der zuletzt leichten Preiserholung bleibt die Skepsis bei Experten gross, dass das Ölkartell Opec und andere Ölproduzenten eine Förderkürzung umsetzen können. Bis Ende November soll feststehen, wie die bereits beschlossene Produktionskürzung auf die einzelnen Länder aufgeteilt wird.

Nach einem Erfolg sieht es bisher nicht aus, weil einige namhafte Förderländer auf Ausnahmen bestehen. Zudem gilt es unter Experten als fraglich, ob verabredete Förderquoten tatsächlich eingehalten würden. Sollte keine Einigung erzielt werden, dürfte ein weiterer Ölpreisrutsch folgen, erwartet Wilson. Dieser dürfte neue Sparrunden bei den Ölkonzernen auslösen. Auch die Dividenden dürfte dann wackeln./jha/nmu/stb

(AWP)