Siemens-Vorstand Russwurm geht

(Ausführliche Fassung)
23.09.2016 16:13

MÜNCHEN (awp international) - Der Siemens-Technikvorstand Siegfried Russwurm verlässt das Unternehmen. Völlig überraschend teilte der Elektrokonzern am Freitag mit, der 53-Jährige und der Aufsichtsrat hätten sich "absolut einvernehmlich" darauf geeinigt, seinen Ende März 2017 auslaufenden Vertrag nicht zu verlängern. Russwurm erklärte, er wolle sich "auch möglichen neuen Herausforderungen nicht verschliessen". Er gilt als möglicher Kandidat für den Chefposten beim Münchner Gasekonzern Linde .

Der promovierte Ingenieur hatte 1992 bei der Siemens-Medizintechnik angefangen und gehört schon seit 2008 dem Konzernvorstand an. Dort hatte er den wichtigen Industriesektor geleitet, inzwischen soll er als oberster Technikchef Digitalisierung und Innovationen vorantreiben und ist zudem für die Medizintechnik, den Nahen Osten und das Russland-Geschäft zuständig. Sein Verhältnis zu Siemens-Chef Joe Kaeser gilt als professionell.

Kaeser lobte "die gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit der vergangenen Jahre" und sagte: "Als Chief Technology Officer hat er die digitale Transformation von Siemens entscheidend vorangetrieben und dafür gesorgt, dass die Stimme von Siemens beim Zukunftsthema Industrie 4.0 Gehör findet." Aufsichtsratschef Gerhard Cromme sagte, Russwurm habe "das Unternehmen in vielen Bereichen entscheidend mit geprägt. Dafür meinen herzlichen Dank und meine Anerkennung."

Linde sucht nach einem Nachfolger für Vorstandschef Wolfgang Büchele, der seinen Ende April auslaufenden Vertrag nicht verlängert. Der Gasekonzern steht nach der soeben gescheiterten Fusion mit dem US-Konkurrenten Praxair und dem Abgang von Vorstands- und Finanzchef vor einem Neubeginn. Russwurm war bereits vor zwei Jahren nach dem Abgang von Vorstandschef Wolfgang Reitzle als Nachfolger gehandelt worden.

Bei Siemens wird in der Regel ein Jahr vor Vertragsablauf von Vorstandsverträgen über eine Verlängerung entschieden. Der "Süddeutschen Zeitung" zufolge hatte der Aufsichtsrat nun auf eine Entscheidung gedrängt./rol/DP/stw

(AWP)