SIX 2016 mit Gewinneinbruch nach Rekordjahr - "Shared Backoffice" wird geprüft

Die SIX Group hat 2016 aufgrund von Sonderfaktoren einen massiven Gewinneinbruch erlitten. Denn im Vorjahr war das Ergebnis mit dem Verkauf der Beteiligungen an STOXX und Indexium fast verdreifacht worden. Aber auch auf bereinigter Basis ist das operative Ergebnis im Berichtsjahr tiefer ausgefallen. Die Börsenbetreiberin spricht von Margen- und Kostendruck, weshalb sich die Gruppe laufend weiterentwickeln müsse.
09.03.2017 08:36

2016 habe sich die SIX Group in einem zunehmend anspruchsvollen Umfeld gut behauptet und ein erfreuliches Resultat erzielt, lässt sich Gruppenchef Urs Rüegsegger in einer Mitteilung vom Donnerstag zitieren. Neben dem Verkauf der STOXX- und Indexium-Anteile sei das Ergebnis des Vorjahres 2015 auch von historisch hohen Handelsaktivitäten beeinflusst gewesen, heisst es. 2016 dann habe die rückläufige Volatilität an den Finanzmärkten insbesondere im Ergebnis der Börse Spuren hinterlassen.

BÖRSE SCHRUMPFT

Während die anderen Geschäftsbereiche jeweils ein Wachstum verzeichneten, ging der Betriebsertrag der SIX Swiss Exchange um 9,1% auf 188,5 Mio CHF zurück. Dabei sei der Handel im Berichtsjahr mit einem durchschnittlichen Tagesumsatz von 5,0 Mrd auf ein langjährig stabiles Niveau zurückgegangen, so die Aussage.

Insgesamt erreichte der Betriebsertrag der Gruppe 1,84 Mrd CHF (+1,5%), wobei die Division Payment Services mit 885,0 Mio (+0,3%) erneut den grössten Anteil ausmachte. Es folgten Financial Information mit 402,6 Mio (+3,5%) und Securities Services mit 377,4 Mio (+6,6%).

Der Geschäftsaufwand stieg auf der anderen Seite um 1,3% auf 1,55 Mrd, woraus sich ein um 2,9% höheres Betriebsergebnis von 287,1 Mio ergab. Unter dem Strich sank der EBIT jedoch um 61% auf 297,1 Mio CHF und der Reingewinn um 69% auf 221,1 CHF. Zum Vergleich: 2014 lagen EBIT und Reingewinn bei 290,0 Mio bzw. 247,2 Mio.

Bereinigt um Sondereffekte liege der EBIT im Berichtsjahr lediglich 5% tiefer bei 268,4 Mio, so die SIX weiter.

Als Sondereffekte 2016 nennt die Gesellschaft den Verkauf einer Liegenschaft (+26,0 Mio), den Verkauf der SIX SAG AG (+5,4 Mio), den Verkauf der Gesellschaften der Sub-Group SIX Payment Services (Luxembourg) Ltd. (+3,9 Mio), die Reorganisation in Frankreich (-34,4 Mio), Planänderungen der Pensionskasse (+26,8 Mio) und das restliche Finanzergebnis (+1,1 Mio). Die Sondereffekte 2015 beinhalteten den Verkauf der Indexanbieter STOXX und Indexium (+476,8 Mio), die im Sommer 2015 an die Deutsche Börse verkauft worden, und das restliche Finanzergebnis (+3,5 Mio).

BEZAHLGESCHÄFT WÄCHST WEITER

Es soll eine tiefere ordentliche Dividende von 7,30 CHF je Aktie beantragt werden - nach 8,25 CHF. 2015 gab es zudem noch eine Sonderdividende.

Nach Divisionen wirkten sich die "Rückkehr zur Normalität" sowie der fehlende Ergebnisbeitrag von STOXX auf den EBIT im Geschäftsbereich Swiss Exchange aus, der um 19% auf 69,3 Mio CHF sank. Der Marktanteil im Handel mit Schweizer Bluechips lag bei 64,6% nach 67,9%. Bei Financial Information sank der EBIT hauptsächlich wegen der erwähnten Restrukturierung in Frankreich um 51% auf 26,7 Mio. Bereinigt um Sondereffekte stieg der EBIT jedoch um 9,0% auf 57,3 Mio.

Payment Services ist hingegen erneut der profitabelste Bereich mit einem EBIT von 91,8 Mio (+4,2%). Man profitiere von der "dynamischen Entwicklung" im bargeldlosen Zahlungsverkehr, heisst es. Die Transaktionszahlen stiegen um 11%. Securities Services (Nachhandel und Clearing) erzielte einen EBIT von 70,6 Mio (+50%), was auf den Liegenschaftsverkauf in Zürich zurückzuführen ist.

GRUPPE MUSS SICH WEITER ENTWICKELN

Mit Blick in die Zukunft bleibe das Umfeld mit Margen- und Kostendruck anspruchsvoll. Der Konzern will dem Rechnung tragen und sich weiterentwickeln. Denn die Finanzbranche erfahre einen tiefgreifenden Wandel, und die SIX sehe sich prädestiniert, "zukunftsfähige Lösungen" für den gesamten Schweizer Finanzplatz zu entwickeln.

Bereits heute wird den Banken Outsourcing-Möglichkeiten angeboten, was mittelfristig mehr werden soll. Neue Dienstleistungen würden zum einen auf Projektbasis entwickelt. Auf der anderen Seite prüfe die SIX gemeinsam mit ihren Eigentümern und Partnern Möglichkeiten, ein zentrales Backoffice in der Schweiz aufzubauen. Die Gruppe befindet sich im Besitz von rund 130 Banken, die auch Hauptnutzer der Infrastruktur sind.

In einem Interview mit AWP im Januar hatte CEO Rüegsegger noch gesagt, man habe eine Liste von Ideen, die laufend mit den Banken diskutiert würden. Ob es aber das ganz grosse gemeinsame "Shared Backoffice" geben wird, sei schwierig vorauszusagen. Denn das wäre eine enorm komplexe Aufgabe.

ys/ra

(AWP)