SIX-CEO mit laufendem Geschäftsjahr zufrieden - Übernahme im Payment angepeilt

Zürich (awp) - Der Chef des Finanzdienstleisters SIX sieht sein Unternehmen im laufenden Jahr auf Kurs. "Unser Geschäft hat sich in den ersten vier Monaten gut entwickelt", so der SIX-CEO Urs Rüegsegger in einem Interview mit der deutschen "Börsenzeitung". Das Wertpapiergeschäft leide zwar etwas unter den Marktunsicherheiten, das durchschnittliche Tagesvolumen von rund 5,5 Mrd CHF liege aber "deutlich über dem historischen Durchschnitt." Besonders die Sparten Finanzinformationen und Zahlungsdienstleistungen seien bisher "hervorragend" gelaufen.
21.06.2016 10:29

Potenzielle Wachstumschancen sieht er dann auch "insbesondere in den Geschäftsbereichen Financial Information und Payment Services." In ersterem wolle er verstärkt auf das Referenzdatengeschäft fokussieren. Im Bereich Payment Services sei vor allem die Händlerakzeptanz und die Kundengewinnung im europäischen Ausland ausschlaggebend: "In Luxemburg haben wir in diesem Geschäft einen Marktanteil von nahezu 90%, in Österreich etwas mehr als 50%. Ausbauen wollen wir unsere Marktanteile vor allem in Deutschland, den Niederlanden, Belgien, Polen, Ungarn und Tschechien", sagt Rüegsegger.

Angesprochen auf mögliche Übernahmeaktivitäten sei die Erschliessung neuer Geschäftsfelder im Bereich Mobile Payment und Infrastrukturservice-Angebote zentral. "Die meisten Gelegenheiten ergeben sich derzeit im Payment-Bereich. Dort prüfen wir einige Kandidaten." Denn der Bereich Payment Services sei in den zurückliegenden Jahren "stark gewachsen, und zwar sowohl organisch als auch anorganisch", so Rüegsegger.

Auf die Frage, ob die SIX aufgrund einer möglichen Marktkonsolidierung in Europa selbst zum Übernahmekandidaten werden könne meint Rüegsegger, dass sich sie Aktionäre und der Verwaltungsrat "klar für die Eigenständigkeit ausgesprochen haben", und verwirft damit allfällige Übernahmespekulationen.

Denn die zentralen Argumente für einen eigenständigen Finanzplatz seien die Kontrolle über die Infrastruktur und die Möglichkeit, diese "als Plattform für neue und innovative Dienstleistungen nutzen zu können," sagt Rüegsegger. Zudem unterstehe die Infrastruktur der Überwachung durch die Schweizerische Nationalbank und die Finma. Sie müssten bei einem Verkauf zustimmen."

Die geplante Fusion der Deutschen Börse und der London Stock Exchange nehme man zur Kenntnis, werde sie jedoch nicht weiter kommentieren. Er verweist lediglich auf eine mögliche Konzentration im Clearing und "zwar nicht nur bei den Derivaten, sondern auch bei den Kassamärkten. Die Analyse der Auswirkungen auf den Wettbewerb durch die zuständigen europäischen Behörden erachten wir deshalb als wichtig."

sta/cp

(AWP)