SIX positioniert sich als Transaktionsbank für Schweizer Banken

(Letzte zwei Abschnitte ergänzt)
09.10.2016 16:07

Zürich (awp/sda) - Weil bei den Banken der Kostendruck steigt und sich gleichzeitig die Ertragsperspektiven verschlechtern, suchen sie zunehmend nach gemeinsamen Lösungsansätzen. In diese Bresche will die SIX springen mit der Idee einer Transaktionsbank.

"Das Interesse ist gross an einer gemeinsamen Lösung", sagte URS Rüegsegger, Chef der SIX-Gruppe im Interview mit der Zeitung "Schweiz am Sonntag". Im Verwaltungsrat der SIX sei man sich einig, diese Idee voranzutreiben. "Die Stossrichtung ist definiert und unsere Aktionäre stehen geschlossen dahinter", so Rüegsegger.

Konkret geht es darum, dass die Banken ihre Geschäftsprozesse im Hintergrund, das sogenannte Back Office, zusammenlegen sollen. Dabei soll die SIX "als gemeinsame Infrastrukturgesellschaft der Banken in Zukunft eine prominente Rolle einnehmen".

Ein solches sogenanntes Shared Back Office Center soll eine einzige Plattform betreiben und die entsprechenden Dienstleistungen nur einmal aufbereiten, skizziert Rüegsegger sein Ideal. "Es müsste eine Basisplattform geschaffen werden, an die idealerweise mehrere unterschiedliche Banken-IT-Systeme andocken können."

FÜR ZAHLUNGSVERKEHR UND KREDITKARTEN

Selbst die beiden Grossbanken UBS und CS sollen dereinst bei einer solchen Lösung mitmachen. "Wenn die Akteure wirklich ernsthaft ihre Kosten senken möchten, macht es Sinn, dass alle Banken mitmachen", sagt Rüegsegger.

Anbieten möchte er Dienstleistungen, "mit denen sich die Banken nicht differenzieren, die durch das Zusammenführen Skaleneffekte erzeugen und die das Potential haben, weiter automatisiert zu werden". Konkret sind das Dienstleistungen im Zahlungsverkehr, in der Wertschriftenabwicklung, aber auch im Hypothekarprozess oder in der Verarbeitung der Kreditkartenherausgabe.

Doch derzeit sei es noch zu früh, um bereits über die Strukturen einer solchen Transaktionsbank zu entscheiden. "Wir sind daran, unsere Position in dieser Frage zu schärfen", so Rüegsegger. Dabei stelle man sich die taktische Frage: "Starten wir mit einem grossen Brocken oder starten wir Schritt für Schritt?"

AUCH SIX SPÜRT KOSTENDRUCK

Darüber hinaus spürt jedoch auch die Finanzdienstleister-Gesellschaft SIX, dass die Banken ihren Margendruck an SIX weitergeben. Deshalb muss auch die SIX-Gruppe bei ihrer Kostenstruktur über die Bücher.

"Wir werden uns überlegen müssen, ob wir gewisse Aufgaben auch an günstigeren Orten erledigen können, wie etwa in Indien oder Polen", räumt Rüegsegger ein. Bereits heute beschäftigt die SIX-Gruppe über Partner 200 Mitarbeitende in Mumbai und weitere 150 Personen in Krakau.

Urs Rüegsegger steht seit acht Jahren an der Spitze der SIX und gedenkt dies auch weiterhin zu tun. Es sei für ihn kein Thema, das Präsidium des Verwaltungsrats zu übernehmen, das derzeit vakant ist. "Mit gefällt meine Arbeit und ich freue mich auf viele spannende neue Aufgaben", sagt er.

SINKENDE BÖRSENUMSÄTZE

Die Börsenumsätze dürften im Gesamtjahr 2016 unter dem Vorjahr liegen, wie Rüegsegger weiter sagte. Allerdings sei 2015 massgeblich durch die Aufhebung des Euro-Mindestkurses geprägt worden. "Wenn man diesen Effekt herausrechnet, befinden wir uns nur leicht unter dem Vorjahr." Trotz der Negativzinsen, die Aktienanlagen begünstigen sollten, seien Aktivitäten der Anleger, private wie institutionelle, substanziell zurückgegangen. Viele Anleger gingen zudem in passive Anlagen wie ETF.

Das Betriebsergebnis des Vorjahres werde die SIX wohl rein operativ übertreffen können, meinte der SIX-Chef. Den Rückgang im Wertschriftengeschäft könne die Gruppe mit den "sehr gut laufenden" Finanzinformationen und dem Geschäft mit den Bezahllösungen auffangen. Allerdings würden Anpassungen bei der Pensionskasse und Restrukturierungskosten am Sitz in Paris das ausgewiesene Ergebnis im Umfang von rund je Mio CHF belasten.

tp

(AWP)