SIX: SMI-Obergrenze soll Exodus von Investoren an Börse verhindern

Die Schweizer Börse will mit einer Obergrenze für die Schwergewichte im Börsenbarometer SMI einen Exodus von Investoren und Emittenten aus dem Ausland verhindern. Grund dafür ist das Scheitern des anderen Börsenbarometers SLI, das bereits eine Obergrenze kennt.
23.05.2017 18:57

"Wir müssen gestehen, dass der 2007 eingeführte Swiss Leader Index SLI nicht die Akzeptanz gefunden hat, die wir uns damals erhofft haben", sagte Werner Bürki von der Geschäftsleitung der Schweizer Börse am Dienstag vor den Medien in Zürich. Denn der viel bekanntere Swiss Market Index (SMI) sei bei den Investoren dominant geblieben.

Börsenbarometer dienen als Messlatten für Investoren wie beispielsweise Pensionskassen, die den Erfolg oder Misserfolg ihrer Anlageportfolios an ihnen messen. Zudem bilden die Börsenindizes die Basis für Fonds wie beispielsweise ETFs, Derivate, strukturierte Produkte, oder passive Mandate von institutionellen Investoren. Und hier hätten die allermeisten Marktteilnehmer sich am SMI orientiert.

Nun schreiben neue internationale Regeln, die nach dem Libor-Skandal erlassen wurden, Obergrenzen für das Gewicht von einzelnen Aktien in Börsenindizes vor. Grossbanken hatten jahrelang den Referenzzinssatz Libor manipuliert. In der EU sind nun Investitionen in Indizes mit zwei Titeln von über 20% Gewicht verboten.

NESTLÉ ZU SCHWER

Dies betrifft den SMI, weil Nestlé über der roten Linie liegt, während die Pharmakonzerne Novartis und Roche bereits an ihr kratzen. Nestlé hatte am Vortag ein Gewicht von 24,3% im SMI, Novartis von 19,6% und Roche von 17,7%. Bisher sind im SMI alle Aktien mit ihrer vollen Marktkapitalisierung enthalten.

Und dies hat Folgen für die Schweizer Börse, obwohl Schweizer Investoren der EU-Regel nicht unterliegen. Denn viele ausländische Nutzer und Investoren des SMI oder von Finanzprodukten mit Bezug auf den SMI müssen sich an die EU-Vorschriften halten.

Wie bedeutend diese Investoren und Emittenten von Finanzprodukten aus dem EU-Raum sind, konnte Börsenchef Christoph Landis nicht sagen. Denn hinter diesen stünden ganz viele Endkunden, die man nicht kenne.

FONDS EINGESTELLT

Erste Auswirkungen habe es schon gegeben. So seien zwei deutsche börsenkotierte Indexfonds (ETF) auf den SMI eingestellt worden, weil das Gewicht von Nestlé und Novartis zu gross sei. Deshalb begrenzt die Schweizer Börse das Gewicht einzelner Aktien im SMI wie bereits bekannt ab dem 18. September auf maximal 18%.

Allerdings gibt es auch Marktteilnehmer, die sich weiterhin einen Börsenindex ohne Obergrenze wünschen. Einen solchen Index wird die Schweizer Börse ebenfalls am 18. September lancieren. Der Name sei noch nicht festgelegt, sagte Landis.

ra/

(AWP)