SMS-Ersatz Line kündigt Börsengang an

(Ausführliche Fassung)
10.06.2016 13:57

TOKIO/SEOUL (awp international) - Der vor allem in Asien populäre Kurzmitteilungsdienst Line geht an die Börse. Die Firma aus Tokio strebt dabei eine Gesamt-Bewertung von 588 Milliarden Yen (rund 4,9 Mrd Euro) an. Die Platzierung soll 113 Milliarden Yen (gut 930 Mio Euro) schwer werden, wie Line am Freitag mitteilte. Der Dienst hat nach jüngsten Zahlen von Ende März rund 218 Millionen aktive Nutzer im Monat. Mehr als die Hälfte von ihnen lebt in Japan, Thailand, Taiwan und Indonesien.

Der Messenger-Markt wird weltweit vor allem von Facebook beherrscht: WhatsApp kommt auf eine Milliarde Nutzer und der Facebook Messenger auf 900 Millionen. Apple ist stark mit seiner SMS-Alternative iMessage, die bisher nur auf Geräten des Konzerns läuft. In China dominieren einheimische Dienste wie WeChat.

Line setzte früh auf Spiele, Musik und andere Multimedia-Inhalte wie bunte animierte Sticker, die man verschicken kann. Facebook sprang auf den Trend in seinem Messenger auf, während sich WhatsApp eher schnörkellos auf Kern-Funktionen beschränkt. Facebook hatte sich vor gut zwei Jahren die Übernahme von WhatsApp mit damals rund 500 Millionen Nutzern rund 22 Milliarden Dollar kosten lassen. Der Messenger wurde beim Online-Netzwerk selbst entwickelt.

In einem verschlechterten Klima für Internet-Börsengänge könnte Line zur Ausnahme werden. Die Firma fuhr im vergangenen Quartal einen Umsatz von gut 300 Millionen Dollar ein. Jeweils gut ein Drittel der Erlöse kam dabei aus Werbung und aus dem Geschäft mit Spielen sowie anderen Inhalten. Die Sticker machen gut ein Fünftel des Geschäfts aus.

Line ist zwar in Tokio basiert, gehört aber dem südkoreanischen Internet-Konzern Naver. Die Aktie soll voraussichtlich am 15. Juli in den Handel kommen./so/DP/mis

(AWP)