Solide Produktion stützt deutsches Wirtschaftswachstum

(Ausführliche Fassung)
08.08.2016 10:01

WIESBADEN (awp international) - Die Produktion im Verarbeitenden Gewerbe Deutschlands ist im Juni etwas stärker als erwartet gestiegen und hat Sorgen vor einer Konjunkturflaute gedämpft. Im Vergleich zum Vormonat habe die Produktion um 0,8 Prozent zugelegt, teilte das Statistische Bundesamt am Montag mit. Bankvolkswirte hatten dagegen im Mittel nur einen Zuwachs um 0,7 Prozent erwartet. Zudem wurde der Rückgang im Mai von zunächst 1,3 Prozent auf nur noch 0,9 Prozent korrigiert.

"Mit den Juni-Daten deutet sich an, dass die Produktion nach einer recht volatilen Entwicklung zu Jahresbeginn und der Schwächephase seit Februar wieder auf einen leichten Aufwärtstrend einschwenkte", kommentierte Experte Stefan Kipar von der BayernLB die Daten.

Die Herstellung innerhalb der Industrie, eines grossen Teilbereichs des Produzierenden Gewerbes, sei im Juni um 1,5 Prozent gestiegen, teilte das Bundesamt weiter mit. Innerhalb der Industrie stieg die Produktion von Investitionsgütern um 3,5 Prozent und die Produktion von Konsumgütern um 1,2 Prozent.

Einen Rückschlag gab es aber bei der Produktion von Vorleistungsgütern. Hier sei die Fertigung im Juni gegenüber dem Vormonat um 0,7 Prozent gesunken, hiess es weiter. Ausserhalb der Industrie lag die Energieerzeugung um 2,7 Prozent niedriger als im Mai, die Bauproduktion sank um 0,5 Prozent.

"Unterm Strich deuten die Daten darauf hin, dass der deutschen Wirtschaft nach einem starken Auftaktquartal eine harte Landung im zweiten Quartal erspart bleiben dürfte", sagte Chefvolkswirt Carsten Brzeski von der Bank ING-Diba. Am kommenden Freitag wird eine erste Schätzung für das deutsche Wirtschaftswachstum in den Monaten April bis Juni veröffentlicht. Im Schnitt gehen Experten davon aus, dass sich die Zunahme des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 0,7 Prozent im ersten Quartal auf 0,2 Prozent im zweiten Quartal abschwächen wird.

In den Produktionsdaten aus dem Juni sind die Auswirkungen des Brexit-Referendums in Grossbritannien noch nicht enthalten. Nach Einschätzung des Experten Brzeski dürfte die wachsende Sorge vor der weiteren Entwicklung der Eurozone in den kommenden Monaten Auswirkungen auf die deutsche Industrie haben. Eine Reihe von Stimmungsdaten hatten zuletzt aber gezeigt, dass die negativen Folgen des Brexit-Votums grösstenteils auf Grossbritannien beschränkt bleiben. "Die derzeitige Stärke der Binnenwirtschaft in Deutschland dürfte die Folgen des Brexit-Votums für die deutsche Industrie begrenzen und den Rückgang nicht dramatisch ausfallen lassen", kommentierte BayernLB-Experte Kipar./jkr/bgf/stb

(AWP)