Sommerbuchungen bei Tui und Thomas Cook ziehen an

(Ausführliche Fassung) - Griechenland statt Türkei: Bei den grossen Reisekonzernen ziehen die Reisebuchungen nach dem Terrorjahr 2016 wieder an. Nach Thomas Cook (Neckermann Reisen, Bucher Last Minute) meldete am Mittwoch auch der weltgrösste Reisekonzern Tui wieder wachsende Buchungszahlen für die wichtige Sommersaison. Auch die Preise steigen - vor allem für die vom Pfundverfall gebeutelten Kunden aus Grossbritannien. Als Reiseziel sehen die Veranstalter Griechenland im Aufwind. Für die Türkei meldete Tui nach dem Einbruch von 2016 und dem Zoff um die umstrittene Verfassungsreform in dem Land weitere Rückgänge.
29.03.2017 10:26

An der Börse wurden die Neuigkeiten von Tui dennoch negativ aufgenommen. Die Aktie des Konzerns verlor am Morgen an der Londoner Börse mehr als ein Prozent an Wert, während der Leitindex FTSE 100 leicht zulegte.

Derzeit liegen die Buchungen für den Sommer vier Prozent höher als vor einem Jahr, wie Tui in Hannover mitteilte. 48 Prozent des Sommerprogramms sei bereits verkauft. In allen Absatzmärkten des Konzerns gäben die Menschen dabei im Schnitt mehr Geld für ihre Reisen aus. Obwohl die Probleme in Weltwirtschaft und Politik in einigen Märkten deutlich zu spüren seien, befinde sich Tui in einer starken Position, sagte Konzernchef Fritz Joussen.

Einen erneuten Rückgang verzeichnet Tui bei den Reisen in die Türkei. Schon 2016 hatte sich die Zahl der Türkei-Urlauber bei dem Konzern in etwa halbiert. Von den Zweifeln der Kunden an dem Urlaubsland profitieren den Angaben zufolge Ziele wie Griechenland, die Kanaren und fernere Länder. Bei seinen eigenen Hotels sieht sich der Konzern auf Kurs. Das geringere Interesse an Reisen nach Nordafrika und in die Türkei werde wie schon im Winter durch eine höhere Nachfrage nach Zielen etwa im westlichen Mittelmeer und der Karibik ausgeglichen, hiess es. Die Vorausbuchungen bei der Kreuzfahrtlinie Tui Cruises entwickelten sich weiterhin gut.

Insgesamt konnte Tui konzernweit für den Sommer bisher fünf Prozent höhere Preise durchsetzen - was zusammen mit der höheren Gästezahl bislang einem Umsatzplus von neun Prozent entspricht. Anfang 2016 hatten sich viele Kunden infolge der Anschläge in Paris, Istanbul und Brüssel lange mit Reiseentscheidungen zurückgehalten und sich erst spät zur Buchung durchgerungen.

Besonders tief müssen diesmal Urlauber aus Grossbritannien in die Tasche greifen. So hat das britische Pfund nach dem Votum der Bürger für den EU-Austritt ihres Landes stark an Wert verloren. Nach dem bisherigen Buchungsstand geben die Briten für ihren Sommerurlaub 2017 bei Tui im Schnitt acht Prozent mehr aus als im Vorjahr. Dennoch liegt die Zahl der Buchungen derzeit drei Prozent höher - genauso wie im wichtigen Markt Deutschland. Hier konnte Tui bisher drei Prozent höhere Preise durchsetzen.

Konzernchef Joussen zeigte sich derweil zuversichtlich, den operativen Gewinn (Ebita) - bereinigt um Sonderposten und Währungsschwankungen - im laufenden Geschäftsjahr wie geplant um mindestens 10 Prozent zu steigern. Dafür spricht auch das Geschäft in der zu Ende gehenden Wintersaison. Auch hier verzeichnete Tui ein Umsatzplus von neun Prozent. Fünf Prozent des Zuwachses führt der Konzern auf eine gestiegene Gästezahl zurück, den Rest auf höhere Durchschnittspreise. 97 Prozent des Angebots sei verkauft.

Der kleinere Rivale Thomas Cook, der in Deutschland vor allem mit der Marke Neckermann Reisen und der Fluglinie Condor vertreten ist, hatte am Dienstag für den Sommer ein Buchungsplus von 10 Prozent gemeldet. Im Vorjahr hatte der Einbruch bei den Türkei-Reisen Thomas Cook stark getroffen. Mit seiner Marke Öger Tours ist das britische Unternehmen im Türkei-Geschäft besonders stark vertreten. Das Umsteuern auf alternative Ziele war für den Veranstalter daher umso schwieriger./stw/fbr

(AWP)