Sondergewinne retten Fraport das Geschäftsjahr - Fluggastflaute hält an

(Ausführliche Fassung)
03.11.2016 09:15

FRANKFURT (awp international) - Am Frankfurter Flughafen hält die Flaute im Passagiergeschäft auch zum Herbstbeginn an. Im Oktober zählte der Betreiber Fraport 0,3 Prozent weniger Fluggäste als ein Jahr zuvor. Für die ersten zehn Monate steht damit an Deutschlands grösstem Airport ein Minus von 1,1 Prozent zu Buche. Schub bekommt Fraport aus dem Ausland. Dank eines Anteilsverkaufs in Russland und der lang ersehnten Entschädigung für das geplatzte Terminalprojekt auf den Philippinen erwartet Fraport-Chef Stefan Schulte 2016 einen kräftigen Gewinnsprung. Derweil soll die irische Ryanair 2017 eine neue Billigflug-Ära in Frankfurt einläuten.

Am Finanzmarkt sorgten die Nachrichten nicht für Begeisterung. Im frühen Handel lagen die Papiere mit gut eineinhalb Prozent im Minus.

Infolge der Sondereinnahmen soll der operative Gewinn (Ebitda) 1,04 bis 1,08 Milliarden Euro erreichen, wie das im MDax notierte Unternehmen am Donnerstag in Frankfurt mitteilte. Bisher hatte Fraport 850 bis 880 Millionen Euro als Ziel ausgegeben. Der Überschuss soll nach rund 300 Millionen Euro nun auf 400 bis bis 440 Millionen Euro klettern.

Fraport hatte seine Beteiligung am Flughafen Pulkovo im russischen St. Petersburg bereits im Sommer teilweise an den Staatsfonds des arabischen Emirats Katar losgeschlagen. Der Deal soll noch in diesem Jahr vollzogen werden und Fraport 35 Millionen Euro Gewinn einbringen. Weitere 120 Millionen Euro Gewinn erwartet der Vorstand aus der Entschädigung für das geplatzte Terminal-Projekt in der philippinischen Hauptstadt Manila. Seit die dortige Regierung Fraport Anfang des Jahrtausends enteignet hatte, hatten die Frankfurter 14 Jahre lang um eine Entschädigung gekämpft und sich vor wenigen Wochen durchgesetzt.

Im Kerngeschäft am Heimatstandort Frankfurt sieht es in diesem Jahr hingegen eher trübe aus. Schon im Sommer hatte der Vorstand sich von seinem Ziel verabschiedet, die Zahl der Fluggäste über die gut 61 Millionen aus dem Vorjahr hinaus zu steigern. Vielmehr rechnet Schulte mit einem leichten Rückgang. Auch der Konzernumsatz soll mit 2,6 Milliarden Euro geringer ausfallen als im Frühjahr angepeilt.

Im dritten Quartal verbuchte Fraport zwar eine Umsatzsteigerung um ein Prozent auf 735 Millionen Euro. Der operative Gewinn ging jedoch um zwei Prozent auf 298 Millionen Euro zurück. Unter dem Strich blieben mit knapp 125 Millionen Euro fast 15 Prozent weniger übrig als ein Jahr zuvor.

Angesichts der rückläufigen Passagierzahlen öffnet sich Fraport in Frankfurt jetzt verstärkt für Billigfluggesellschaften wie Ryanair und Easyjet. Bisher beträgt der Anteil der Billigflieger in Frankfurt nur vier Prozent. Ab Ende März 2017 will nun Europas grösster Billigflieger Ryanair zwei Flugzeuge in Frankfurt stationieren und täglich vier Flüge zu Zielen in Spanien und Portugal anbieten. Zum folgenden Winter wollen die Iren ihr Flugangebot in Frankfurt kräftig ausweiten. Um den Billigfliegern stärker gerecht zu werden, will Schulte die Abläufe an Deutschlands grösstem Airport verbessern. So sollen die Flugzeuge nach der Landung innerhalb von einer halben Stunde wieder startbereit sein.

Heftigen Streit löste Fraport mit den Rabatten auf die Passagierentgelte aus, von denen Ryanair in Frankfurt profitieren soll. So protestierte Condor-Chef Ralf Teckentrup gegen angebliche Sonderkonditionen. Lufthansa-Chef Carsten Spohr sagte, sein Unternehmen werde nicht mehr zahlen als Ryanair. Er rechnet sich jährliche Einsparungen von 200 bis 300 Millionen Euro aus.

Fraport-Chef Schulte will mit befristeten Gebühren-Nachlässen neue Airlines anlocken. Gesellschaften, die in Frankfurt schon präsent sind, sollen bei der Eröffnung neuer Strecken anfangs ebenfalls weniger Passagierentgelte zahlen. Die Details der geplanten Gebührenstaffel sind noch unter Verschluss. Das hessische Verkehrsministerium muss das Anreizsystem noch genehmigen./stw/men/stb

(AWP)