Sonderkosten belasten Daimler - Kronzeugenantrag im Kartellverdacht

(neu zusätzlicher Analystenkommentar, Aktienkurs, mehr Details) - Der Auto- und Lastwagenbauer Daimler ist im dritten Quartal von Sonderkosten für Rückrufe und Nachbesserungen bei Dieselautos gebremst worden. Unter anderem weil der Dax-Konzern dafür 453 Millionen Euro an Belastungen verbuchte, fiel das Ergebnis vor Zinsen und Steuern im Jahresvergleich um 14 Prozent auf 3,46 Milliarden Euro, wie der Dax -Konzern am Freitag mitteilte. Experten hatten einen etwas höheren Wert erwartet. Finanzchef Bodo Uebber bestätigte zudem im Verdacht um ein mögliches Auto-Kartell, dass die Stuttgarter bei der EU einen Antrag auf Kronzeugenregelung gestellt haben.
20.10.2017 13:07

Details dazu wollte der Manager nicht nennen, um das Verhältnis zu den Behörden nicht zu belasten. Ob die EU-Behörden eine formale Untersuchung eröffnen würden, sei auch noch nicht klar, sagte Uebber. Bedarf für Rückstellungen sehe der Konzern in dem Fall derzeit aber nach Rücksprache mit seinen Beratern nicht.

Bei der EU-Kommission läuft derzeit eine Voruntersuchung dazu, ob sich die deutschen Autobauer Volkswagen , BMW und Daimler unzulässig abgesprochen haben. In Medienberichten hiess es, auch der VW -Konzern habe eine Art Selbstanzeige rund um den Kartellverdacht bei den Behörden eingereicht. Laut der "Süddeutschen Zeitung" soll Daimler den Wolfsburgern dabei aber zuvorgekommen sein. Wer zuerst mit den Aufsehern kooperiert, darf auf den grössten Nachlass bei einer möglichen Strafe hoffen.

Daimler hatte im dritten Quartal unter anderem für das Softwareupdate von über 3 Millionen Diesel-Autos in Europa 223 Millionen Euro an Sonderkosten verbucht. Für einen Rückruf von Autos mit möglicherweise defekten Kabeln an der Lenksäule waren noch einmal 230 Millionen Euro fällig. Daimler-Finanzchef Bodo Uebber sagte zudem, in diesem Quartal seien die Entwicklungskosten 300 Millionen Euro höher gewesen - angesichts dessen sei es ein gutes Vierteljahr für Daimler gewesen.

Im Tagesgeschäft profitiert der Konzern ohnehin weiter vom guten Lauf in China und bei den Stadtgeländewagen vom Typ SUV. Weltweit hatte das Unternehmen im dritten Quartal rund 573 000 Autos seiner Stammmarke Mercedes-Benz verkauft, fast 8 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Das trieb den Umsatz insgesamt um 6 Prozent auf 40,81 Milliarden Euro hoch.

Die Umsatzrendite der grössten Geschäftsfelds Mercedes-Benz Cars ging wegen der Belastungen vom starken Vorjahreswert um 2,6 Prozentpunkte auf 9,2 Prozent zurück. Analyst Jose Asumendi von der US-Grossbank JPMorgan sah die Ergebnisse aber ähnlich stark wie vor einem Jahr. Bereinigt um Sonderfaktoren habe die Marge im Autogeschäft 11 Prozent erreicht.

Auch Analyst Patrick Hummel von der Grossbank UBS aus der Schweiz ist zuversichtlich. Der Autobauer habe beim bereinigten operativen Ergebnis positiv überrascht und auch einen überraschend starken Barmittelzufluss erwirtschaftet, schrieb er. Die Anleger am Aktienmarkt sahen das wohl ähnlich: Die Aktie zog trotz des unter dem Strich um 17 Prozent auf 2,27 Milliarden zurückgegangenen Nettogewinns zuletzt leicht an.

Die Finanzprognosen für das Gesamtjahr bestätigten die Stuttgarter. In der Lkw-Sparte ist der Konzern wegen einer deutlichen Erholung optimistischer beim Ergebnis. Bei schweren Lkw ist Daimler Weltmarktführer, hatte aber wegen Schwierigkeiten auf den Märkten vor allem in Südamerika ein Sparprogramm gestartet. Im dritten Quartal legte der Umsatz der Sparte kräftig um 17 Prozent zu, das operative Ergebnis gar um ein gutes Drittel./men/oca/jha/

(AWP)