Sonova-CEO: Weitere Übernahmen im Retail möglich - Transformation geht weiter

(Zusammenfassung, ergänzt um weitere Details)
18.10.2016 14:55

Stäfa (awp) - Der Hörgerätehersteller Sonova baut weiterhin auf seine Strategie mit ergänzenden Akquisitionen. So seien etwa weitere Übernahmen im Retailbereich möglich, sagte CEO Lukas Braunschweiler am Investoren- und Analystentag am Dienstag am Hauptsitz in Stäfa. Tatsächlich sei die gewünschte Abdeckung noch nicht erreicht.

Die Transformation der Gruppe in ein "vertikal integriertes Geschäftsmodell" habe sich fortgesetzt - nicht zuletzt auch mit der Integration von AudioNova - und setze sich künftig weiter fort, so Braunschweiler. Sonova hatte im Mai die Übernahme des niederländischen Hörgeräte-Retailunternehmens bekanntgegeben.

Nach der Akquisition des Fachhändlers AudioNova geht früheren Angaben zufolge jedes siebte Hörgerät, das Sonova produziert, über die eigenen Ladentische. Die Übernahme sei daher ein wichtiger Meilenstein in der Umsetzung der Strategie, "die gesamte Bandbreite an Hörlösungen zusammen mit professionellen audiologischen Dienstleistungen anzubieten", so Braunschweiler am Dienstag. Zumal: Der Detailhandel sei kein neues Geschäft für Sonova, und man sei auch nicht unerfahren, betonte er.

AUDIONOVA ALS DACHMARKE

Die Akquisition von AudioNova war bei den Hörgeräteakustikern auf weniger Ablehnung gestossen als vom Sonova-Management erwartet. Zuvor hatte das Unternehmen im März 2015 den Besitz von Vitakustik und Fiebing Hörtechnik bekanntgegeben, was damals von unabhängigen Audiologen nicht gut aufgenommen worden war. Deshalb wurden wegen AudioNova im Ausblick für das laufende Geschäftsjahr 2016/17 auch negative Auswirkungen auf das Hörgeräte-Grosshandelsgeschäft berücksichtigt.

Das Management betonte jedoch mehrfach, dass man sich dem Wandel innerhalb der Branche nicht entziehen könne. Unabhängige Fachhändler würden von Ketten übernommen, die höhere Rabatte von den Herstellern forderten, sagte Braunschweiler Anfang Oktober in einem Zeitungsinterview. Darum sei es wichtig, eigene Läden zu haben, um die Gewinnmarge abzusichern. Ausserdem wachse dieses Geschäft auch stärker als jenes mit den Geräten.

Der Name AudioNova wird zur Dachmarke für das gesamte Retailnetz. Dabei sollten die lokalen Partner aber immer respektiert werden, betonte Braunschweiler am Dienstag. Der Detailhandel sei "nun einmal ein sehr lokales Geschäft". Daher mache es keinen Sinn, "den Wert" der verschiedenen etablierten Ladenketten "zu zerstören".

Im selben Zusammenhang verwies Braunschweiler auf die Ernennung von Christophe Fond zum Group Vice President Retail von vor einer Woche. Dieser, der bisher für die Optikerkette GrandVision tätig war, übernimmt per Februar 2017 die Leitung des globalen Detailhandels und wird Mitglied der Geschäftsleitung. AudioNova wurde Mitte September mit der Division Connect Hearing in ein globales Retailgeschäft zusammengeführt. Bis zum Antritt von Fond wird es weiterhin von Frank van der Vis, dem CEO von AudioNova, und von Braunschweiler gemeinsam ad interim geführt.

ZUFRIEDEN MIT PHONAK BELONG

Im Bereich Hörgeräte, der den Grossteil zum Umsatz beisteuert, zeigte sich das Management mit der neuen Produktgeneration Phonak Belong sehr zufrieden. Die Markteinführung im August in den USA und seit ungefähr Mitte September in Europa habe sich "sehr gut" entwickelt, sagte Martin Grieder, Group Vice President Hearing Instruments Marketing. Der Launch konnte in den europäischen Hauptmärkten bis Mitte Oktober abgeschlossen werden, so Grieder am Rande der Veranstaltung zu AWP.

Sonova will zudem auch bei der "digitalen Revolution" eine führende Rolle mit entsprechenden Dienstleistungen einnehmen. So soll etwa ein elektronischer Support über die Entfernung - ohne, dass der Kunde einen Audiologen persönlich aufsuchen muss - grosse Vorteile bringen, sagte Andi Vonlanthen, Group Vice President Research & Development. Die Einstellung eines Hörgeräts sei auf diese Weise deutlich effizienter.

Die News zum Investorentag werden am Markt zumindest nicht unfreundlich aufgenommen. Bis am Nachmittag legt die Aktie leicht überdurchschnittlich um 1,1% zu.

ys/cf

(AWP)