S&P sieht bei Deutscher Bank Umbauziele bedroht - Ausblick nun 'negativ'

LONDON (awp international) - Der Deutschen Bank droht eine weitere Abstufung ihrer Bonitätsnote. Die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) senkte am Dienstagabend den Ausblick für das Geldhaus von "stabil" auf "negativ". Die Experten sehen angesichts des schlechten Wirtschaftsumfelds die Ziele für den geplanten Umbau des Instituts in Gefahr.
20.07.2016 09:06

Derzeit bewertet S&P die vorrangigen, unbesicherten Verbindlichkeiten der Bank mit "BBB+". Die Note liegt drei Stufen über dem sogenannten Ramschniveau, ab dem die Ratingagentur Investitionen als besonders riskant bewertet. Beim S&P-Konkurrenten Moody's notiert die Deutsche Bank seit Ende Mai nur noch zwei Plätze über dem Ramschstatus.

Die ultraniedrigen Zinsen und die gedämpften Handelsaktivitäten an den Kapitalmärkten belasteten zwar die ganze Branche, erklärte S&P. Die Deutsche Bank sei aber mitten im Umbau besonders verwundbar. Der geplante Aufbau von weiterem Kapital könnte durch die schwachen Gewinnaussichten ins Stocken geraten. Es bestehe daher das Risiko, dass die Einschnitte bei Kosten und Risikopositionen verschärft werden müssen und dies dann auch das Kerngeschäft belaste. Zusätzlich sehen die Experten in den offenen Rechtsstreitigkeiten eine grosse Gefahr für die Kreditwürdigkeit der Bank.

Das Brexit-Votum hatte hingegen laut S&P kaum Einfluss auf den gesenkten Ausblick. Die Deutsche Bank sollte vom bevorstehenden EU-Austritt Grossbritanniens vergleichsweise wenig belastet sein. Nach dem überraschenden Ausgang des Referendums hätten sogar die Handelsaktivitäten stark angezogen, wovon die Deutsche Bank profitiere. Allerdings seien mit der Brexit-Entscheidung Zinserhöhungen auf längere Zeit noch unwahrscheinlicher geworden./enl/men/das

(AWP)