S&P sorgt sich um Liquidität des chinesischen Mischkonzerns HNA

Der Druck auf den hochverschuldeten chinesischen Mischkonzern HNA steigt. Die Ratingagentur S&P attestierte eine sich "verschlechternde Liquidität" bei HNA, die in der Vergangenheit durch zahlreiche Zukäufe in aller Welt Schlagzeilen gemacht hatte. HNA selbst erklärte am Mittwoch, die Finanzen des Unternehmens seien "sehr gesund". Der Konzern verwies darauf, dass Topmanager Anleihen gekauft hätten, die von HNA garantiert würden.
14.02.2018 10:26

S&P hatte am späten Dienstag das inoffizielle Rating von HNA von einem ohnehin schon mangelhaften "B" um weitere zwei Stufen auf ein sehr mangelhaftes "CCC+" gesenkt. Damit liegt die Kreditwürdigkeit tief im sogenannten Ramschbereich. S&P geht insofern von einer hohen Wahrscheinlichkeit aus, dass das Unternehmen seine Schulden nicht oder nur teilweise begleichen kann. Eine kurzfristige Besserung der Lage erwartet S&P nicht - der Ausblick ist "negativ".

HNA hatte sich für seine Einkäufe in Schulden gestürzt. Das Unternehmen arbeitet nun mit Hochdruck daran, Geld in die Kasse zu bekommen. Erst am Dienstag hatte HNA zwei unlängst erworbene Grundstücke in Hongkong wieder verkauft für einen Milliardenbetrag. Weitere Verkäufe sollen folgen. S&P bescheinigte HNA zwar, Fortschritte gemacht zu haben. Auch verfüge der Konzern über hohe Werte, einen Zugang zum Kapitalmarkt sowie die Unterstützung einiger Banken. "Es ist aber unklar, ob dies ausreicht, um die anstehenden Verpflichtungen zu erfüllen."

Auf ihrer Einkaufstour hatten sich die Chinesen auch an der Deutschen Bank beteiligt und waren hier vor einem knappen Jahr zum grössten Anteilseigner aufgestiegen. Jüngst hatten sie ihre Beteiligung wieder leicht reduziert, aber beteuert, ein langfristiger Grossinvestor bleiben zu wollen. Mit Alexander Schütz sitzt auch ein Vertreter der HNA-Interessen im Aufsichtsrat des wichtigsten Geldhauses Deutschlands.

In der Schweiz ist HNA im Besitz der Flugzeugwartungsfirma SR Technics sowie des Flugzeug- und Flughafendienstleisters Swissport. Ausserdem hält HNA eine massgebliche Beteiligung am Reisedetailhändler Dufry. Swissport soll noch in diesem Jahr an die Schweizer Börse gebracht werden und auch der erst im Dezember übernommene Airline-Caterer Gategroup könnte bald den Weg zurück an die Börse finden.

das/stw/zb

(AWP)