Spanien statt Türkei: Tui-Chef hat keine Angst vor der Krise

Hannover (awp/sda/dpa) - Halbleere Hotels an der türkischen Riviera, dafür volle Häuser auf Mallorca: Was nach den Anschlägen in Istanbul für manchen Hotelier in der Türkei eine finanzielle Katastrophe bedeutet, bringt den Chef deutschen Reisekonzerns Tui, Fritz Joussen, nicht aus der Ruhe.
26.06.2016 08:57

"Die Kapazitäten in Spanien sind vollständig ausgelastet, jetzt zahlt sich unser integriertes Geschäftsmodell mit eigenen Hotels, Flugverbindungen und Vertriebskanälen voll aus", sagte der Chef des weltgrössten Reisekonzerns im Gespräch mit den Nachrichtenagenturen dpa und dpa-AFX.

"Trotz der Herausforderungen wollen wir unseren operativen Gewinn in diesem Jahr um mindestens zehn Prozent steigern." Tui ist mit eigenen Hotels auf dem spanischen Festland, den Kanaren und den Balearen stark vertreten. "Bei unseren Riu-Hotels war die Nachfrage im Winterhalbjahr so hoch, dass es keine Rabatte gab", sagte Joussen.

"Die erzielten Preise lagen dadurch gegenüber dem Vorjahr um 8 Prozent höher. Das wird sich im Sommer kaum ändern", zeigte er sich überzeugt.

Weniger Türkei-Buchungen

Im Winter hatte Tui viele Gäste, die sonst in Ägypten oder in Tunesien Urlaub machen, etwa auf die Kanaren gebracht. "Wir haben auf den Flugzeugabsturz über dem Sinai direkt reagiert", sagte Joussen.

Inwieweit die Türkei den bisherigen Buchungseinbruch in diesem Jahr noch wettmachen kann, vermag Joussen nicht vorauszusagen. Die Kunden wüssten, dass sie auch noch kurzfristig ein Zimmer bekämen. "Die Türkei wird sehr wahrscheinlich das Last-Minute-Ziel in diesem Sommer."

Bei Tui lägen die Türkei-Buchungen weiterhin rund 40 Prozent niedriger als vor einem Jahr. Nach zwei Millionen Türkei-Gästen im Vorjahr dürfte Tui dieses Mal nur rund eine Million in das Land bringen, schätzt Joussen.

Kaum Einbussen durch Brexit

Für die Briten könnten Urlaubsreisen ins Ausland nach der Brexit-Entscheidung zwar teurer werden, doch Joussen erwartet kaum, dass Tui dadurch nennenswert Kunden abhanden kommen: "Ob sich dadurch aber die Briten ihre sehr ausgeprägte Reiselust nehmen lassen, darf bezweifelt werden", sagte er.

In diesem und den kommenden beiden Geschäftsjahren (bis Ende September) will Joussen den um Sondereffekte bereinigten operativen Gewinn (EBITA) weiterhin um mindestens 10 Prozent steigern. Im Geschäftsjahr 2014/15 hatte Tui mit 1,1 Milliarden Euro erstmals die Milliardengrenze überschritten.

(AWP)