Staatsanwaltschaft will Ermittlungen gegen Kengeter gegen Geldzahlung einstellen

Die Staatsanwaltschaft Frankfurt will das Insiderverfahren gegen Deutsche-Börse-Chef Carsten Kengeter gegen die Zahlung einer Geldauflage einstellen. Diese soll 500 000 Euro betragen, wie der Vizepräsident des Amtsgerichts Frankfurt, Frank Richter, am Mittwoch bestätigte. Zuvor hatte die "Wirtschaftswoche" darüber berichtet. Die Staatsanwaltschaft hat das Amtsgericht um Zustimmung zur Einstellung des entsprechenden Ermittlungsverfahrens ersucht. Ein Entscheidung könne in einigen Wochen fallen, sagte Richter.
20.09.2017 17:16

Die Deutsche Börse hatte bereits am Mittwoch vergangener Woche ihre Bereitschaft erklärt, zwei Geldbussen in einer Gesamthöhe von 10,5 Millionen Euro zu zahlen. Dabei geht es um die Rolle des Unternehmens im Zusammenhang mit den Insidervorwürfen sowie den Vorwurf, die Börse habe die Finanzmärkte zu spät über ihre - inzwischen gescheiterten - Fusionsgespräche mit der Londoner Börse LSE informiert.

Das Unternehmen teile die erhobenen Vorwürfe nach wie vor nicht, bekräftigte der Dax -Konzern vergangene Woche. Man gehe davon aus, "dass das laufende Ermittlungsverfahren gegen den Vorstandsvorsitzenden der Deutsche Börse AG, Carsten Kengeter, gegen Auflagen eingestellt werden wird", hiess es bei dem Konzern. Als Auflage war da bereits ein mittlerer sechsstelliger Betrag im Gespräch, den Kengeter aus seinem Privatvermögen zahlen müsste.

Kengeter hatte Mitte Dezember 2015 für 4,5 Millionen Euro 60 000 Deutsche-Börse-Aktien gekauft, die er nicht vor Ende 2019 veräussern darf. Der Konzern packte in dem speziell für ihn geschnürten Vergütungsprogramm 69 000 weitere Anteilsscheine drauf. Gut zwei Monate nach dem Aktiendeal machten Deutsche Börse und London Stock Exchange (LSE) ihren Fusionsplan öffentlich, was die Kurse trieb.

Die Ermittler werfen Kengeter vor, bereits im Sommer 2015 mit der LSE-Führung Gespräche über einen Zusammenschluss der Börsenbetreiber geführt und das lukrative Aktiengeschäft in diesem Wissen getätigt zu haben. Der Deutsche-Börse-Aufsichtsrat hatte die Vorwürfe schon kurz nach deren Bekanntwerden als haltlos bezeichnet. Kengeter selbst sprach jüngst von einer "moralischen Pflicht", die Aktien zu kaufen: Hätte er das Programm nicht genutzt, wäre ihm das womöglich als Misstrauensvotum ausgelegt worden./men/ben/tos

(AWP)