Stabwechsel bei der SRG - Neues Team will Private an Bord holen

Bei der SRG hat ein neues Team die Führung übernommen. Generaldirektor Gilles Marchand löste Anfang Oktober Roger de Weck ab. Er bietet den privaten Medien eine breite Kooperation an. Sollte die No-Billag-Initiative angenommen werden, wäre das der mediale Kahlschlag.
06.10.2017 14:52

"Ein Land kann ohne Radio und Fernsehen leben, aber es wird ein anderes Land", sagte Marchand am Freitag vor den Medien im Bundeshausstudio von Fernsehen SRF. Nicht nur die SRG wäre weg, sondern auch 34 private Stationen, die am Gebührentopf beteiligt sind.

Daneben würde die heimische Kinobranche ausbluten, Sportanlässe würden nicht mehr abgedeckt, der Schweizer Musik gingen Einnahmen verloren. Kurz: Der Wechsel wäre radikal.

Die Schweiz bestehe aus vier kleinen Märkten. Ob kommerzielle Sender hier überhaupt rentabel arbeiten könnten, sei mehr als fraglich, führte Marchand aus. Die Initiative verlangt die Abschaffung der SRG-Gebühren.

Zu seinen Prioritäten sagte Marchand, er werde alles daran setzen, den Umbruch der Medienlandschaft mit allen Teams und in allen Regionen zu bewältigen. Er engagiere sich mit den Beschäftigten zusammen voll für den medialen Service public.

Dazu will Marchand weiterhin "hervorragende Programme in allen vier Landessprachen bieten". Den digitalen Wandel will er vorantreiben, den Kontakt zum jungen Publikum halten und weiter in die Kultur investieren.

ANGEBOT FÜR PRIVATE

Den privaten Medien reicht die neue SRG-Führung die Hand. So bietet das Unternehmen den privaten Medienhäusern ab sofort Gratis-Videobeiträge zu Nachrichten an, sofern diese das Label respektieren und keine Änderungen vornehmen.

Privatradios können die stündlichen Nachrichten der SRG-Sender übernehmen. Dazu unterzeichnete das Unternehmen mit der Union nicht kommerzieller kommerzieller Lokalradios (UNIKOM) am Freitagmorgen einen Vertrag.

Sollten die privaten Medien das wünschen, stellt ihnen die SRG ihre Technologie für den Betrieb eines Kanals ohne Label zur Verfügung. Die SRG fördert zudem Kooperationen bei der Innovation mit akademischen Institutionen und privaten Medienhäusern. Bei der Messung der Online-Nutzung tritt das Unternehmen für eine Branchenlösung zwischen Verlegern sowie Radio- und TV-Anbietern ein.

CINA: VIELE OFFENE FRAGEN

Auch der seit 100 Tagen amtierende Präsident und ehemalige Walliser CVP-Regierungsrat Jean-Michel Cina nannte die Abstimmung über die No-Billag-Initiative die existenzielle Herausforderung für das Unternehmen SRG 2018.

Im weiteren steht der Bundesratsentscheid über die Gebührenhöhe an. Hier ist die Rede von 350 statt 400 Franken im Jahr. Und nicht zuletzt geht es um die Übergangskonzession bis Ende 2018 und das geplante neue Gesetz für elektronische Medien. Da gebe es viele Unsicherheiten, sagte Cina.

Der Bundesrat hatte im August die Konzession für die SRG bis Ende 2018 verlängert. Die neue Konzession soll ab 2019 gelten und sich nach dem neuen Gesetz richten. Dieses Gesetz will die Landesregierung bis Ende 2017 vorlegen.

NEUER GLÜCKSKETTE-PRÄSIDENT

Neben Marchand, der zuvor Direktor von Radio Télévision Suisse (RTS) war, stellten sich auch seine neue Stellvertreterin Ladina Heimgartner und das neue Geschäftsleitungsmitglied Bakel Walden vor.

Heimgartner ist seit 2014 Direktorin von Radiotelevisiun Svizra Rumantscha (RTR). Sie wird sich in der Konzernleitung um die Sparte "Medien und Gesellschaft" kümmern.

Um sich ganz auf den neuen Job zu konzentrieren, tritt sie als Präsidentin der Glückskette zurück. Marchand ernannte Pascal Crittin zu ihrem Nachfolger. Dieser ist Direktor von Radio Télévision Suisse (RTS) und damit in der Geschäftsleitung der SRG.

Bakel Walden übernimmt die neugeschaffene Direktion "Entwicklung und Angebot". Dort sind Programmgestaltung , digitale Transformation, Markt- und Publikumsforschung sowie internationaler Austausch gebündelt.

(AWP)