Stada-Chef verspricht Veränderung - Aufsichtsratchef wirbt um Vertrauen

(Ausführliche Fassung)
26.08.2016 12:56

FRANKFURT (awp international) - Bei der vom Wirbel um den Aufsichtsrat umgebenen Hauptversammlung des Pharmakonzerns Stada hat Vorstandschef Matthias Wiedenfels den Aktionären Veränderungen versprochen. "Wir haben noch längst nicht unser gesamtes Potenzial ausgeschöpft - auch weil wir uns lange auf unserem Erfolg ausgeruht haben", sagte er am Freitag in Frankfurt. Stada sei in der Vergangenheit "manchmal zu unbeweglich gewesen". Geschäftschancen hätten sonst konsequenter genutzt und unrentable Geschäftsfelder früher erkannt und abgestellt werden können.

Wiedenfels hat den Vorstandsvorsitz vom langjährigen Unternehmenschef Hartmut Retzlaff übernommen, der Mitte August nach vorangegangener Krankheit ausgeschieden war.

Bei der Hauptversammlung steht vor allem die Zukunft des Aufsichtsrates auf der Agenda. Stada kämpft derzeit gegen den Angriff des kritischen Investors Active Ownership Capital (AOC), der den kompletten Austausch der Kapitalseite des Aufsichtsrates fordert. Die Beteiligungsgesellschaft wirft dem Unternehmen vor, Wachstumschancen verschlafen zu haben.

Vor allem steht der Posten von Aufsichtsratschef Martin Abend zur Diskussion. Aus diesem Grund gab Abend die Leitung der Hauptversammlung an eine Notarin ab. "Diese Hauptversammlung ist von grosser Bedeutung für die Zukunft unseres Unternehmens", sagte Abend. Er warb für seinen Verbleib im Aufsichtsrat. Er stehe für die Kontinuität des Gremiums. Bei den Kandidaten des Aktionärs AOC bezweifelte er deren Unabhängigkeit.

Nach Angaben des MDax-Konzerns waren am Freitag 57,05 Prozent des Aktienkapitals bei der Hauptversammlung vertreten. Das war ein Rekord - in den Vorjahren lag der höchste Wert bei 37 Prozent. Beobachter rechneten damit, dass die Chancen für den Verbleib von Abend umso besser stehen, je höher die Beteiligung der Aktionäre an der Hauptversammlung ist.

Konzernchef Wiedenfels stellte den Aktionären Massnahmen für mehr Profitabilität vor: In seinen beiden Standbeinen - dem Geschäft mit freiverkäuflichen Medikamenten sowie mit Generika-Arzneien - will das Unternehmen vor allem auf neuen regionalen Märkten wachsen. Zudem will Stada im Marketing, im Vertrieb und bei der Herstellung Kosten reduzieren. Bei Investitionen, etwa im Bereich mit Biosimilars - Nachahmerprodukte von biotechnologisch hergestellten Medikamenten - will das Unternehmen stärker als bisher auf die möglichen Renditen schauen. Ein radikaler Umbruch ist das alles laut Wiedenfels aber nicht. "Unser Geschäftsmodell ist kerngesund. Stada braucht sich nicht neu zu erfinden", sagte er./nmu/das/mis

(AWP)