Stada-Grossaktionär lässt nicht locker beim Umbau des Aufsichtsrates

(Ausführliche Fassung)
01.07.2016 15:27

BAD VILBEL (awp international) - Beim Arzneimittelhersteller Stada erhöhen aktivistische Investoren den Druck auf das Unternehmen. Grossaktionär Active Ownership Capital (AOC) will sich mit anderen Aktionären zusammentun und geeignete Kandidaten für die Neubesetzung des Aufsichtsrates aufstellen, wie die Beteiligungsgesellschaft am Freitag mitteilte. Dafür hat AOC einen Aufruf im Aktionärsforum des Bundesanzeigers gestartet. Stada wollte das Vorgehen von AOC nicht kommentieren.

Auf Drängen des Grossaktionärs hatte Stada zuletzt in die Erneuerung des Aufsichtsrates eingewilligt, wollte die Kandidaten dafür aber in einem Nominierungsausschuss selbst aussuchen. Die Interessen der Aktionäre würden bei dem Verfahren ignoriert, heisst es bei AOC. Die Gesellschaft hält mehr als 5 Prozent an Stada. Die Wahl der Aufsichtsräte soll bei der Hauptversammlung Ende August erfolgen.

Stada hat derzeit noch eine andere Baustelle: Der langjährige Chef Hartmut Retzlaff zog sich vor einigen Wochen krankheitsbedingt zurück. Die Geschäfte führen aktuell als Vorstandschef Matthias Wiedenfels, der auch vorher bereits in dem Gremium sass, und Finanzvorstand Helmut Kraft.

Die neue Kandidatensuche der Aktionäre übernimmt die Personalberatung Spencer Stuart. Sie vertritt die Interessen einiger grosser Anteilseigner. In der kommenden Woche soll es ein Treffen geben, bei dem die Kandidaten aufgestellt werden, hiess es bei AOC auf Nachfrage. Im Gespräch seien auch Kandidaten, die die Beteiligungsgesellschaft dem Arzneimittelhersteller schon vor einigen Wochen vorgeschlagen hatte. Dazu gehören der frühere Hexal-Manager Klaus-Joachim Krauth, der ehemalige Asklepios-Chef Ulrich Wandschneider sowie Klaus Röhrig, einer der Gründer von Active Ownership. Eine offizielle Einschätzung, wie gross der Aktienanteil der sich beteiligenden Investoren ist, gibt es nicht. Im Umfeld der Grossaktionäre ist von mehr als 20 Prozent die Rede.

AOC wie auch andere Aktionäre, darunter der bekannte US-Investor Guy Wyser-Pratte, werfen dem Unternehmen vor, die Internationalisierung nicht energisch genug angegangen zu sein. Ein Schritt dorthin soll die Auffrischung des Aufsichtsrates sein. Auf der Kapitalseite sitzen derzeit überwiegend Ärzte und Apotheker.

Der Stada-Nominierungsausschuss zur Suche neuer Kandidaten besteht ausschliesslich aus Aufsichtsratsmitgliedern. Es sei den Aktionären nicht möglich, sich aktiv bei der Suche zu beteiligen, moniert AOC. Die Beteiligungsgesellschaft habe "das Vertrauen in die derzeitige Verwaltung verloren, den Prozess zur Neubesetzung des Aufsichtsrates in der Hauptversammlung am 26. August 2016 ordentlich, transparent und im besten Interesse der Gesellschaft sowie ihrer Anteilseigner und Mitarbeiter zu führen."/nmu/fri/stb

(AWP)