Stada-Investor Singer will mehr - Mindestabfindung verlangt

(Ausführliche Fassung) - Lange hat sich Finanzinvestor Paul Singer über seine Absichten beim Arzneimittelhersteller Stada bedeckt gehalten - nun hat er einen Teil des Rätsels gelüftet: Singer spekuliert wie erwartet auf eine satte Abfindung. Dabei geht es um den von den neuen Stada-Eignern Bain Capital und Cinven angestrebten Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag. Dabei macht Singer Druck. Sein Hedgefonds Elliott werde einen solchen Vertrag nur gegen eine Mindestabfindung von 74,40 Euro je Aktie unterstützen, hiess es in einer Mitteilung am Donnerstag in London.
31.08.2017 12:18

Damit verlangt Singer einen satten Aufschlag von mehr als 8 Euro je Aktie auf den ursprünglichen Angebotspreis von 66,25 Euro. Singer selbst dürfte zumindest einen Teil seines Aktienpaketes sogar noch günstiger erworben haben, vermuten Börsianer. Das Investorenduo Bain und Cinven wollte die Forderungen des Amerikaners am Donnerstag nicht kommentieren. "Wir haben Herrn Singers Mitteilung zur Kenntnis genommen", sagte ein Sprecher.

Die Stada-Aktie rutschte nach der Nachricht bis auf 77,28 Euro ab, zuletzt betrug das Minus noch 0,73 Prozent auf 78,55 Euro. Mit der von Singer genannten Summe dürfte nun aber klar sein, "dass Kurse weit über 80 Euro wohl etwas hoch waren und nicht wiederkommen", sagte ein Börsianer. In der Hoffnung auf einen Aufschlag im Zuge des angestrebten Gewinnabführungsvertrags und eines später möglichen Squeeze-outs waren Stada-Aktien in der Spitze bis auf 83,65 Euro geklettert.

Bain und Cinven hatten zwei Übernahmeversuche gebraucht, um bei dem Bad Vilbeler Hersteller von Nachahmermedikamenten und rezeptfreien Markenprodukten wie Ladival und Grippostad zum Zug zu kommen. Auch der zweite Anlauf verlief zäh, am Ende sicherten sich die beiden Investoren knapp 64 Prozent an dem MDax -Unternehmen.

Um bei Stada durchregieren zu können, will das angelsächsische Duo auf einer ausserordentlichen Hauptversammlung über den Beherrschungsvertrag abstimmen lassen. Sie hoffen zudem, dass während der noch bis zum morgigen Freitag (1. September) laufenden Nachfrist weitere Aktionäre ihre Papiere andienen.

Doch egal, wie hoch der Anteil von Bain und Cinven künftig ausfallen wird: Der Amerikaner ist für die Verhandlungen in einer günstigen Position. Singer hatte zwar in einem ersten Schritt den Investoren bereits Teile seines Aktienpakets angedient, danach aber wieder aufgestockt. Nach jüngsten Angaben hielt Singer zuletzt mehr als 12 Prozent und hat nach Einschätzung von Warburg-Analyst Ulrich Huwald damit einen "gewissen Lästigkeitsfaktor" erreicht. "Singer könnte theoretisch bei jeder Massnahme, die Bain und Cinven bei Stada durchführen wollen, eine Sonderprüfung beantragen", sagte der Experte.

Bain und Cinven wollen das Stada-Geschäft unter anderem durch Zukäufe ausbauen - dass Singer ihnen bei ihren Plänen Knüppel zwischen die Beine wirft, dürfte kaum in ihrem Sinne sein. Sie stehen daher unter Druck, eine Einigung mit dem für seine Sturheit berüchtigten Amerikaner zu erzielen. "Es bleibt spannend, auf welche Summe am Ende sich beide Seiten einigen", sagte Huwald. "Singer könnte die Sache am Ende auch einfach aussitzen." In Investorenkreisen ist man derweil bemüht, Singers Vorstoss positiv zu deuten. Dieser habe zumindest ein Signal gesendet, dass er einen Beherrschungsvertrag unterstützt, hiess es./tav/kro/stb

(AWP)