Stada-Kauf auf Messers Schneide

Eine Woche vor dem Ende der Annahmefrist steht auch der zweite Übernahmeversuch der Finanzinvestoren Bain und Cinven für den Arzneimittelhersteller Stada auf Messers Schneide. Nach Informationen aus Bankkreisen ist der Zuspruch der Privatinvestoren bislang mässig, zudem spielen offenbar viele Hedgefonds weiter auf Zeit.
09.08.2017 15:59

Bis zum Dienstagabend wurden nach offiziellen Angaben 28,29 Prozent des Grundkapitals angedient. Darin enthalten sind bereits rund 19 Prozent der Anteile von Hedgefonds, die nach dem gescheiterten ersten Angebot ihre Aktien dem Investorenduo zugesichert hatten. Darüber hinaus wurden also lediglich gerade mal rund 9 Prozent bislang getendert.

"Kopfzerbrechen bereiten uns nun auch die Privataktionäre", sagte ein mit der Transaktion vertrauter Banker am Mittwoch der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX. Üblicherweise bieten private Anteilseigner ihre Papiere während eines Übernahmeprozesses recht früh an. Beim ersten Anlauf hatten insgesamt rund 13 Prozent der privaten Investoren zum Kauf angeboten.

Stada-Chef Engelbert Willink hatte in einem am Vortag veröffentlichen Brief vor einem Scheitern der Offerte gewarnt und bei den Privataktionären um deren Zuspruch geworben. Auch die Investoren Bain und Cinven sprechen seit heute in einer Onlinekampagne noch einmal gezielt diese Investorengruppe und dabei insbesondere Apotheker an.

Ein Damoklesschwert bleibt auch weiter das Verhalten der Hedgefonds, die noch Papiere besitzen. "Das ist ein grosses Risiko, denn keiner weiss, welche Strategie diese Fonds verfolgen", so der Banker. Viele schienen erneut auf einen Mehrgewinn zu spekulieren. Nach Stada-Angaben halten Hedgefonds derzeit rund die Hälfte des Unternehmens, die privaten Investoren kommen auf 24 Prozent.

Über seinen Fonds Elliott beteiligt ist auch der umtriebige Investor Paul Singer, der schon mehrfach aus Übernahmen mehr herausgeschlagen hat. Dieser lässt sich über seine Absichten bei Stada derzeit von niemandem in die Karten schauen.

Die Finanzinvestoren Bain und Cinven waren bei einem ersten Anlauf mit ihrem Übernahmeangebot für den hessischen Hersteller nur knapp an der Mindestannahmeschwelle gescheitert. Als entscheidendes Problem hatten sich spät eingestiegene Hedgefonds erwiesen, die bis zuletzt auf ein noch lukrativeres Angebot spekuliert hatten. Im Juli hatten die Investoren einen neuen Anlauf mit einem auf 66,25 Euro je Stada-Aktie erhöhten Angebot gestartet und die Mindestannahmeschwelle auf 63 Prozent gesenkt. Die Angebotsfrist läuft noch bis kommenden Mittwoch (16. August)./tav/jha/tos

(AWP)