Stada-Übernahme geglückt - Finanzinvestoren im zweiten Anlauf am Ziel

(neu: Aussagen der Gewerkschaft, Aktienkurs, Details zu Investor Singer.) - Die Zitterpartie um die Übernahme des Pharmakonzerns Stada hat ein Ende. Knapp vier Monate nach dem Start ihres ersten Gebots sind die Finanzinvestoren Bain Capital und Cinven endlich am Ziel - im zweiten Anlauf. Die auf 66,25 Euro je Stada-Aktie aufgestockte Offerte wurde von einer Mehrheit der Aktionäre angenommen und damit die für die Übernahme erforderliche Mindestannahmeschwelle von 63 Prozent geknackt, wie die Investoren am Freitag mitteilten. Das genaue Ergebnis zur Annahmequote der Aktionäre soll später mitgeteilt werden.
18.08.2017 16:30

STADA-AKTIE SCHIESST AUF ÜBER 73 EURO

An der Börse schossen Stada-Papiere zeitweise um mehr als 14 Prozent hoch auf über 73 Euro. Begonnen hatte die Kurs-Rally bereits kurz vor der offiziellen Meldung. Händler begründeten dies vor allem mit Eindeckungen von Leerverkäufen: Spekulative Anleger, die mit geliehenen Stada-Aktien auf fallende Kurse gesetzt hatten, mussten diese Aktien nun am Markt zurückkaufen. Das trieb den Stada-Kurs steil nach oben.

Viele Marktteilnehmer dürften zudem auf einen Sondergewinn durch einen Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag hoffen, der ab einer Schwelle von 75 Prozent möglich ist, sagte ein Händler. Sollte sie im ersten Schritt noch nicht erreicht worden sein, wäre es in einer Verlängerungsfrist immer noch möglich. Schliesslich sei es dann auch nur noch eine Frage der Zeit, bis Bain und Cinven nach dem Kauf weiterer Anteile mit dem Ausschluss der Minderheitsaktionäre (Squeeze Out) begännen.

MANAGEMENT UND AUFSICHTSRAT ERFREUT

"Wir sind froh, dass die Frage der zukünftigen Eigentümerstruktur nun geklärt ist", erklärte Stada-Chef Engelbert Willink. Er hatte in den vergangenen Wochen ausdrücklich für die Übernahme geworben. Alle kartellrechtlichen Freigaben seien erfolgt. Stada könne sich nun wieder auf das operative Geschäft konzentrieren. "Mit der umfangreichen Branchenexpertise der neuen Eigentümer und ihrem Zugang zu einem weltweiten Netzwerk im Gesundheitswesen wird Stadas Position als global tätiges Pharmaunternehmen nachhaltig gestärkt", erklärte Willink.

Auch der Aufsichtsrat begrüsste den Verkauf an das angelsächsische Investorenduo. Auf der Arbeitnehmerseite war am Freitag niemand zu erreichen. Der Betriebsrat hatte noch im Juni das Scheitern der Übernahme begrüsst, da er negative Folgen für die Belegschaft befürchtete.

Bain und Cinven waren im Juni zunächst mit der Übernahme von Stada gescheitert, da sie die nötige Annahmequote knapp verfehlten. Daraufhin hatten sie ihr Angebot um 25 Cent je Aktie auf 66,25 Euro je Papier erhöht und die Annahmequote gesenkt. Dennoch hatten die Investoren und der Pharmakonzern bis zuletzt um den Verkauf gezittert. So hatten sich viele Privatanleger geweigert, ihre Anteile anzudienen. Gerade Ärzte und Apotheker unter den Stada-Aktionären sehen den Verkauf kritisch. Zudem hatten sich viele Hedgefonds, die zuletzt die Hälfte der Anteile an Stada hielten, zurückgehalten.

SINGER SOLL ANGEBOT UNTERSTÜTZT HABEN

Als grosser Unsicherheitsfaktor galt lange der berüchtigte Investor Paul Singer. An der Börse wird gemutmasst, dass der Amerikaner kurz nach dem Scheitern des ersten Angebots massiv Stada-Papiere gekauft hat und sich damit den zeitweisen Kurseinbruch der Aktien zunutze machte. Zuletzt hatten Singer und sein Hedgefonds Elliot rund 10 Prozent der Stada-Anteile gehalten. Lange war nicht klar, was er damit vorhatte. Auf den letzten Drücker soll er nach Informationen der Nachrichtenagentur Bloomberg aber doch noch Unterstützung für das Gebot signalisiert haben.

Bain und Cinven erneuerten am Freitag ihre Absicht, mit dem Konzern international zu expandieren. "Nach dem erfolgreichen Abschluss der Transaktion werden wir das bestehende Geschäft von Stada weiter stärken und seine Position als global tätiges Pharmaunternehmen ausbauen", erklärten sie.

ARBEITNEHMERVERTRETER BLEIBEN KRITISCH

Mit dem Angebot von Bain und Cinven in Höhe von rund 5,3 Milliarden Euro für den im MDax notierten Konzern ist die Übernahme eine der grösste Firmenverkäufe eines deutschen Unternehmens an Finanzinvestoren. Stada gilt als letzter unabhängiger Generika-Hersteller in der Bundesrepublik. Arbeitnehmervertreter hatten den Verkauf kritisch gesehen. Sie befürchteten trotz Zusagen der Investoren einen Abbau der rund 10 800 Jobs bei Stada.

Alexander Wiesbach von der Gewerkschaft IG BCE sagte am Freitag, die von den Investoren zugesicherte Schutzklausel für die Beschäftigten in der deutschen Produktion betreffe lediglich 10 Prozent der gesamten Stada-Belegschaft. Es gebe daher noch Gesprächsbedarf mit den Investoren. "Wir brauchen Arbeitsplatzsicherheit auch für die übrigen Beschäftigten."/tav/als/men

(AWP)