Stahlpreis-Erholung hilft ArcelorMittal auf Beine

(Ausführliche Fassung) - Der weltgrösste Stahlhersteller ArcelorMittal hat angesichts einer deutlichen Preiserholung das Tal der Tränen durchschritten. Nach vier Verlustjahren in Folge verdiente der Thyssenkrupp-Rivale im vergangenen Jahr erstmals wieder Geld und zwar unterm Strich 1,8 Milliarden US-Dollar. "2016 war ein Jahr des Fortschritts für ArcelorMittal, geprägt von einem sich bessernden Marktumfeld", sagte Konzernchef Lakshmi Mittal am Freitag in Luxemburg. 2015 war noch ein Verlust von 7,9 Milliarden Dollar angefallen.
10.02.2017 09:46

Mittal zeigte sich auch fürs laufende Jahr hoffnungsvoll: "Wir sind mit Rückenwind ins Jahr 2017 gestartet." Die gestiegene Zuversicht spiegele sich auch in der Entscheidung wider, die Investitionen hochzufahren. Die Erholung geschehe aber von einer niedrigen Basis aus, warnte Mittal. Es gebe weiterhin Überkapazitäten und Marktverzerrungen. Er verwies dabei auf Chinas Stahlindustrie, die den Herstellern in den Industrieländern seit langem ein Dorn im Auge ist.

KEINE ANGST VOR PROTEKTIONISMUS

Sorgen, dass eine protektionistische Politik der neuen US-Regierung unter Präsident Donald Trump den Stahlhersteller ausbremsen könnte, zeigte Mittal nicht: ArcelorMittal bediene das US-Geschäft aus den USA heraus. Der Konzern hat mehr als zwei Dutzend Standorte im Land, darunter Stahlwerke und Minen.

Gigantische Abschreibungen wegen des Preisverfalls bei Stahl und dessen Rohstoffen hatten das Unternehmen im Jahr 2015 schwer belastet. ArcelorMittal kämpft dagegen mit Einsparungen an. Der Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) kletterte vor diesem Hintergrund von 5,2 Milliarden auf annähernd 6,3 Milliarden Dollar. Damit übertraf der Konzern die Erwartungen der Analysten.

ABSATZ UND UMSATZ SCHRUMPFT

Dagegen schrumpfte der Umsatz wegen eines niedrigeren Absatzes von Stahl und insbesondere Eisenerz um knapp 11 Prozent auf 56,8 Milliarden Dollar, wobei sich der Rückgang im letzten Jahresviertel deutlich verlangsamte.

Die Lage in der Stahlindustrie hat sich entspannt, seitdem die wichtige chinesische Wirtschaft wieder runder läuft. Zudem gibt es in den USA und Europa Bestrebungen, die Märkte vor chinesischen Stahlimporten zu schützen - so wurden erste Einfuhrzölle erhoben. Die Hersteller in den Industrieländern werfen den Chinesen seit geraumer Zeit vor, Preisdumping zu betreiben.

STAHLPREISE IM AUFWIND

Nach Daten der Nachrichtenagentur Bloomberg sind die europäischen Stahlpreise im Laufe des vergangenen Jahres um 82 Prozent gestiegen. Die Preise für die Rohstoffe Eisenerz und Kokskohle, die ArcelorMittal ebenfalls fördert, verdoppelten beziehungsweise verdreifachten sich. ArcelorMittal hatte aber genauso wie Konkurrent Thyssenkrupp darüber geklagt, die Preissteigerungen wegen langfristiger Lieferverträge nicht eins zu eins an die Kunden weitergeben zu können.

Angesichts der steigenden Preise konnte ArcelorMittal auch Schulden abbauen, lange ein Kernproblem des Konzerns. Sie gingen binnen eines Jahres um 4,6 Milliarden Dollar zurück auf netto 11,1 Milliarden Dollar. Um sich finanziell Luft zu verschaffen, hatte sich der Konzern im Frühjahr 2016 über eine Kapitalerhöhung 3 Milliarden Dollar beschafft. Konzernchef Mittal erklärte, die Schulden sollten weiter zurückgefahren werden.

AKTIE AUF ERHOLUNGSKURS

Die Entspannung bei ArcelorMittal zeigt sich auch im Aktienkurs: Anfang 2016 war er auf ein langjähriges Tief von unter 3 Euro gefallen. Seitdem ging es kontinuierlich aufwärts. Am Freitagmorgen startete die Aktie 4 Prozent im Plus und bewegte sich damit auf 8 Euro zu./das/jsl/stb

(AWP)