Stahlstaub-Recycler Befesa will noch in diesem Jahr an die deutsche Börse

Der deutsch-spanische Industrierecycling-Konzern Befesa nutzt den Rekordlauf am deutschen Aktienmarkt für seine eigene Rückkehr an die Börse. Die Notierung in Frankfurt erfolge voraussichtlich noch in diesem Jahr, erklärte das Unternehmen am Freitag am Firmensitz in Ratingen. Befesa zieht es dabei in den sogenannten Prime Standard, was einen raschen Aufstieg in einen Index der Dax-Familie ermöglichen würde. Auch eine Dividende soll schnell fliessen und zwar 40 bis 50 Prozent des Nettogewinns.
06.10.2017 11:36

Befesa hat seine Wurzeln in den 1990er Jahren in der Berzelius Umwelt Service (BUS), war um die Jahrtausendwende in Madrid börsennotiert, wurde kurz danach mit einem Wettbewerber fusioniert und schliesslich 2013 vom Finanzinvestor Triton übernommen. Dieser trennt sich nun von einem nicht näher bezifferten Teil seiner Anteile.

Befesa selbst fliesst aus dem Börsengang kein Geld zu. Die Bilanz und der Barmittelzufluss seien solide, begründete das Unternehmen diese Entscheidung. Befesa war zur Jahresmitte mit netto 456 Millionen Euro verschuldet.

Zwischenzeitlich war auch über einen Verkauf des Unternehmens als Ganzem nachgedacht worden. Ein Börsengang ist aber nicht zuletzt dank der rekordhohen Börsen attraktiv. Der deutsche Leitindex Dax lief zuletzt auf die Marke von 13 000 Punkten zu, die er niemals zuvor erreicht hatte. Viele Analysten sagen weiter steigende Kurse voraus.

Befesa macht den einen Teil seines Geschäfts mit der Aufbereitung von Stahlstäuben, die als Abfallprodukt bei der Stahlherstellung entstehen. Zweites Standbein ist die Aufbereitung von Salzschlacken aus der Aluminiumproduktion. In den zwölf Monaten bis Mitte 2017 lag der Umsatz bei 685 Millionen Euro und das operative Ergebnis (bereinigtes Ebit) bei 133 Millionen Euro. Gegenüber dem Geschäftsjahr 2016 konnte Befesa dabei prozentual zweistellig zulegen.

Dieses Wachstumstempo soll beibehalten werden, wie Konzernchef Javier Molina in einer Telefonkonferenz nach Bekanntgabe der Börsenpläne sagte. "Befesa ist in den letzten Jahren äusserst erfolgreich als privates Unternehmen gewachsen", erklärte der Spanier, der seit 20 Jahren an der Konzernspitze steht. "Der Börsengang verschafft uns besseren Zugang zum Kapitalmarkt und damit die Flexibilität, unseren Wachstumskurs fortzusetzen und unsere ehrgeizigen Pläne für die nächsten Jahre umzusetzen."

Das gut 1250 Mitarbeiter starke Unternehmen bezeichnet sich selbst als Marktführer in seinem Bereich in Europa und Asien. Befesa betreibt Anlagen in Deutschland, Spanien, Schweden, Frankreich, Grossbritannien sowie in der Türkei und seit einigen Jahren auch in Südkorea.

Als nächstes sollen die Länder Südostasiens wie Malaysia und Thailand in Angriff genommen werden. Auch China und Indien hat das Management im Blick angesichts steigender Umweltauflagen, die eine Aufbereitung der Abfälle aus Stahl- und Aluwerken nötig machen. "Das passiert eher früher als später", sagte Molina. Lateinamerikanische Länder wie Brasilien und Argentinien sind ebenfalls auf dem Radar. "Auf mittlere Sicht sehen wir hier Möglichkeiten."/das/mis/men

(AWP)