Standard Chartered bleibt auf Talfahrt - Aktie steigt dennoch

LONDON (awp international) - Die Wirtschaftsschwäche in Asien und die anhaltenden Niedrigzinsen haben die britische Grossbank Standard Chartered weiter fest im Griff. Im ersten Halbjahr sackte der um Sondereffekte bereinigte Vorsteuergewinn vergleichen mit dem Vorjahreszeitraum um 46 Prozent auf 994 Millionen US-Dollar ab, wie das Institut am Mittwoch in London mitteilte. Unter dem Strich blieben noch 394 Millionen Dollar übrig, das sind fast drei Viertel weniger als ein Jahr zuvor. Die gesamten Einnahmen der Bank gingen um 20 Prozent auf 6,8 Milliarden Dollar zurück.
03.08.2016 12:02

Analysten hatten zwar mit besseren Ergebnissen gerechnet. Standard-Chartered-Aktien legten dennoch nach Bekanntgabe der Zwischenbilanz weiter zu und standen gegen Mittag fast vier Prozent im Plus. Der seit einem Jahr amtierende Vorstandschef Bill Winters sprach von hart erarbeiteten Fortschritten in einem erheblich verschlechterten Umfeld. Seit Jahresbeginn hat Standard Chartered inzwischen gut acht Prozent an Wert gewonnen und ist damit die einzige europäische Grossbank ohne Verlust.

Standard Chartered konzentriert sein Geschäft vor allem auf Asien und kämpft mit den dortigen Konjunktursorgen. Im vergangenen Jahr hatte das Geldhaus den ersten Jahresverlust seit 1989 verbucht. Winters versucht die Bank wieder flott zu bekommen, nachdem die Expansion unter seinem Vorgänger Peter Sands dem Geldhaus eine Menge fauler Kredite im Rohstoffsektor eingebrockt hatte. Winters sammelte unter anderem über eine Kapitalerhöhung fünf Milliarden Dollar ein, strich die Dividende und leitete den Abbau von 15 000 Arbeitsplätzen ein. Zudem will er sich von riskanten Finanzanlagen im Umfang von mindestens 100 Milliarden Dollar trennen./enl/jha/stb

(AWP)