Standard Chartered hofft auf Trendwende - Weniger Kreditvorsorge

(Ausführliche Fassung)
03.08.2016 14:56

LONDON (awp international) - Bei der britischen Grossbank Standard Chartered wächst trotz eines herben Gewinneinbruchs die Hoffnung auf eine Trendwende. Im ersten Halbjahr steckte das Institut ein Drittel weniger in die Vorsorge für faule Kredite als im Vorjahr, wie es am Mittwoch in London mitteilte. Die Unsicherheit nach dem Votum der Briten für den EU-Austritt und ein geringes Wirtschaftswachstum in Hongkong und Singapur gefährdet aber die Renditepläne der Bank für die kommenden Jahre.

Dennoch machte die gesunkene Kreditvorsorge Anlegern an der Börse Hoffnung, dass ein Ende der Talfahrt bei dem vor allem in Asien aktiven Geldhaus nahe ist. Der Aktienkurs des Instituts legte bis zum frühen Nachmittag rund sieben Prozent zu. Seit Jahresbeginn hat er sich um rund zwölf Prozent verbessert. Standard Chartered ist die einzige europäischen Grossbank mit Kursgewinnen in diesem Jahr.

Trotz der geringeren Belastungen aus der Risikovorsorge sackte der um Sondereffekte bereinigte Vorsteuergewinn verglichen mit dem Vorjahreszeitraum um 46 Prozent auf 994 Millionen US-Dollar ab. Unter dem Strich blieben noch 394 Millionen Dollar übrig, das sind fast drei Viertel weniger als ein Jahr zuvor. Die gesamten Einnahmen der Bank gingen um 20 Prozent auf 6,8 Milliarden Dollar zurück.

Der seit einem Jahr amtierende Vorstandschef Bill Winters sprach von hart erarbeiteten Fortschritten in einem erheblich verschlechterten Umfeld. Die Bank konzentriert ihr Geschäft vor allem auf Asien und kämpft mit den dortigen Konjunktursorgen. Im vergangenen Jahr hatte das Geldhaus den ersten Jahresverlust seit 1989 verbucht.

Bis Standard Chartered die Eigenkapitalrendite auf die anvisierte Höhe bekommt, könnte es aber noch dauern. "Es braucht wahrscheinlich mehr Zeit als wir gedacht haben", hiess es in der Mitteilung. Bisher sollte die Eigenkapitalrendite bis zum Jahr 2018 auf acht Prozent steigen und im Jahr 2020 zehn Prozent erreichen. Im ersten Halbjahr lag sie bei 2,1 Prozent nach 5,4 Prozent ein Jahr zuvor.

Winters versucht die Bank wieder flott zu bekommen, nachdem die Expansion unter seinem Vorgänger Peter Sands dem Geldhaus eine Menge fauler Kredite im Rohstoffsektor eingebrockt hatte. Winters sammelte unter anderem über eine Kapitalerhöhung fünf Milliarden Dollar ein, strich die Dividende und leitete den Abbau von 15 000 Arbeitsplätzen ein. Zudem will er sich von riskanten Finanzanlagen im Umfang von mindestens 100 Milliarden Dollar trennen./enl/stw/jha/

(AWP)