Standard Chartered kämpft weiter mit Verlusten

(Ausführliche Fassung) - Die britische Grossbank Standard Chartered kommt beim Umbau langsamer voran als erhofft. Das Geldhaus konnte den Verlust im vergangenen Jahr zwar verringern, erhöhte seinen Kapitalpuffer und baute faule Kredite ab. Jedoch hatten Experten mit einem besseren Ergebnis gerechnet. Die Aktie fiel bis zum Freitagmittag in London um 5 Prozent.
24.02.2017 12:29

Standard Chartered konzentriert sich vor allem auf Asien und leidet unter den dortigen Konjunktursorgen. Auch hatte die Expansion unter dem alten Chef Peter Sands dem Geldhaus eine Menge fauler Kredite im Rohstoffsektor eingebrockt. 2015 hatte Standard Chartered den ersten Jahresverlust seit 1989 hinnehmen müssen.

"Wir haben gute Fortschritte gemacht", fasste Bankchef Bill Winters am Freitag die Lage aus seiner Sicht zusammen. "Es gibt aber noch etliche Herausforderungen." Zwar habe sich die chinesische Wirtschaft stabilisiert und die Rohstoffpreise hätten sich wieder erholt. Jedoch bereite ihm die lockere Geldpolitik und die Bankenregulierung Kopfzerbrechen. Auch gebe es Unsicherheiten für den Freihandel und die Globalisierung, sagte Winters. Die Briten hatten für einen Austritt aus der EU gestimmt und der neue US-Präsident Donald Trump will internationale Verträge überprüfen und drohte bereits mit Strafzöllen für ausländische Waren.

Winters versucht die Bank seit seinem Amtsantritt Mitte 2015 wieder flott zu bekommen. Er sammelte über eine Kapitalerhöhung 5 Milliarden Dollar ein, strich die Dividende und leitete den Abbau von 15 000 Arbeitsplätzen ein. Zudem will er sich von riskanten Finanzanlagen im Umfang von mindestens 100 Milliarden Dollar trennen.

Erste Fortschritte sind sichtbar: Unter dem Strich stand 2016 ein Minus von knapp einer halbe Milliarde Dollar nach einem Verlust von 2,4 Milliarden Dollar im Vorjahr. Das lag auch an der gesunkenen Vorsorge für faule Kredite, die sich beinahe halbierte auf 2,3 Milliarden Dollar. Zudem ist der für schwere Zeiten wichtige Kapitalpuffer deutlich dicker als vor einem Jahr: Die harte Kernkapitalquote (CET 1) verbesserte sich von 12,6 auf 13,6 Prozent.

Im fortgeführten Geschäft stieg der Gewinn vor Steuern um fast ein Drittel auf 1,09 Milliarden Dollar (rund 1,03 Mrd Euro). Von der Nachrichtenagentur Bloomberg befragte Experten hatten aber mit einem deutlich stärkeren Anstieg gerechnet. Auch müssen die Anleger weiterhin auf eine Dividende verzichten. Standard Chartered hatte zuletzt im Sommer 2015 eine Zwischendividende ausgeschüttet.

Die Anleger hatten dem neuen Bankchef Winters bereits Vorschusslorbeeren für seinen Umbau gewährt: Das Papier hat seit dem Zwischentief Anfang 2016 einen Höhenflug hinter sich. Aktuell kostet die Aktie fast doppelt so viel wie noch vor rund einem Jahr./das/zb/jha/stb

(AWP)