Starke Kunststoff-Nachfrage stimmt Covestro zuversichtlicher

(Ausführliche Fassung) - Trends wie energieeffizientes Bauen und die Elektromobilität treiben den Werkstoffhersteller Covestro weiter an. Der Dax-Neuling hob nach weiteren Zuwächsen im zweiten Quartal den Ausblick für 2018. "Die Nachfrage nach unseren Produkten hält weltweit an", sagte Konzernchef Markus Steilemann am Donnerstag. Das Unternehmen stellt Kunststoffvorprodukte sowie Rohstoffe für Lacke und Dichtstoffe her.
26.07.2018 10:27

Um mit dem erwarteten Marktwachstum Schritt zu halten, soll kräftig in den Produktionsausbau investiert werden. Erst jüngst wurde das Investitionsziel für das laufende Jahr inklusive der Instandhaltung auf 650 bis 700 Millionen Euro angehoben. Für die kommenden drei Jahre sind jeweils bis zu 1,2 Milliarden Euro eingeplant.

Trotz der geplanten höheren Investitionen werden für den Mittelzufluss aus dem operativen Geschäft 2018 mehr als 2 Milliarden Euro angestrebt. Für den Zeitraum 2017 bis 2019 sollen es kumuliert mehr als 5 Milliarden Euro sein. Die Kennzahl gibt an, wie viel Geld ein Unternehmen zur freien Verfügung hat. Das ist auch für die Höhe der Dividende oder Aktienrückkäufe wichtig.

Dank der gut laufenden Geschäfte wird 2018 nun ein Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) über dem Vorjahresniveau angepeilt, wie der Konzern am Donnerstag in Leverkusen mitteilte. Bisher war der Vorjahreswert von rund 3,4 Milliarden Euro angestrebt worden.

Im abgelaufenen zweiten Quartal profitierte Covestro von einem gestiegenen Absatz und höheren Preisen bei vielen Produkten. Die Nachteile durch den stärkeren Euro-Kurs konnten damit mehr als ausgeglichen werden.

Besonders deutlich legte das Geschäft mit harten Kunststoffen zu - sogenannten Polycarbonaten - mit einem Plus von fast 16 Prozent. Rückenwind lieferte dabei erneut das Importverbot Chinas für Plastikmüll, erklärte Analyst Isha Sharma vom Investmenthaus Mainfirst. Dadurch war das Angebot an recyceltem Plastik auf dem Weltmarkt geschrumpft.

Das grössere Segment Polyurethane, in dem die Weichschaum-Vorprodukte TDI und MDI produziert werden, wuchs um etwas mehr als 8 Prozent. Das lag vor allem am MDI-Geschäft, während sich bei TDI weiterhin eine Normalisierung der Preise abzeichnete. Diese waren infolge von Produktionsausfällen der Konkurrenz ungewöhnlich stark gestiegen. Allerdings sei es schwierig vorherzusagen, wann und in welchem Umfang die Normalisierung geschehen werde, sagte Covestro-Chef Steilemann im Gespräch mit der Finanznachrichtenagentur dpa-AFX. Sie werde aber wohl nicht so deutlich ausfallen wie noch zum Jahresanfang gedacht.

In der Sparte CAS rund um Rohstoffe für Lacke, Kleb- sowie Dichtstoffe lief es zudem mit einem Wachstum von mehr als 4 Prozent wieder besser. Dieser kleinste Geschäftsbereich bleibt bei möglichen ergänzenden Übernahmen im Fokus, um dessen Konjunkturabhängigkeit zu verringern.

Insgesamt stieg der Konzernumsatz im zweiten Jahresviertel um 10,4 Prozent auf 3,9 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis (Ebitda) legte um 16,2 Prozent auf 985 Millionen Euro zu. Beide Werte lagen über den durchschnittlichen Erwartungen von Analysten. Der freie operative Mittelzufluss stieg um gut 14 Prozent auf 364 Millionen Euro.

Für das dritte Quartal stellt Steilemann ein operatives Ergebnis auf dem Vorjahresniveau von 862 Millionen Euro in Aussicht. Zusammen mit den besser als gedachten Resultaten des zweiten Quartals untermauere das seine positive Einschätzung der Aktien, schrieb Analyst Michael Schäfer von der Commerzbank in einer ersten Einschätzung. Das Polycarbonat-Geschäft laufe besser und die Risiken im Polyurethan-Geschäft seien geringer.

Auch bei Anlegern kamen die Zahlen und der Ausblick gut an. Die Aktien stiegen am Vormittag erstmals seit April wieder über die Marke von 82 Euro. Zuletzt bröckelten die Gewinne zwar etwas ab; mit einem Plus von 1,67 Prozent auf 81,48 Euro hielten sich die Papiere aber weiterhin in der oberen Dax-Hälfte. Seit dem Zwischentief bei 71,42 Euro im Juni haben sie sich um rund 14 Prozent erholt. Bis zum Rekordhoch von 95,78 Euro aus dem Januar ist es aber noch ein gutes Stück.

Covestro, einst von Bayer abgespalten, hat an der Börse eine steile Karriere hingelegt. Erst im März rückte das Unternehmen in den deutschen Leitindex Dax auf, wo es den Medienkonzern ProSiebenSat.1 verdrängte./mis/das/fba

(AWP)