Streit um Strategie: Chef des Discounters Lidl räumt seinen Platz

Überraschender Chefwechsel bei Lidl: Nach Differenzen über die Geschäftsstrategie verlässt der bisherige Vorstandsvorsitzende Sven Seidel (43) den Discounter. Das bisherige Vorstandsmitglied Jesper Hojer (38) übernimmt dessen Aufgaben, wie die Schwarz-Gruppe am Dienstag mitteilte, zu der Lidl gehört.
07.02.2017 12:08

Grund für den Wechsel seien "unterschiedliche strategische Geschäftsauffassungen", hiess es offiziell. Die Trennung sei einvernehmlich erfolgt. Seidel hatte im Frühjahr 2014 als Chef angefangen. Nachfolger Hojer ist im Lidl-Vorstand bisher für den internationalen Einkauf zuständig.

Der Abgang von Seidel kam unerwartet. Die "Heilbronner Stimme" berichtete am Dienstag von einer Umstrukturierung, der Lidl-Chef Seidel aber nicht zum Opfer fallen sollte. Im Gegenteil: Der 43-Jährige sollte demnach einem neuen konzernübergreifenden, fünfköpfigen Führungsgremium angehören.

Nun ist alles ganz anders. Wie die Zeitung erfuhr, war ein Streit mit Schwarz-Konzernchef Klaus Gehrig (68) Anlass für den Abgang Seidels. Gehrig sei unzufrieden gewesen mit Ausgaben für Handball-Sponsoring, die nicht zur klassischen Discounter-Lehre gepasst hätten.

Die Kette ist auf Expansionskurs, zudem will das Unternehmen sein deutsches Filialnetz mit Milliarden-Investitionen in den kommenden Jahren auf Vordermann bringen. Im Geschäftsjahr 2015/16 hatte Lidl ein sattes Umsatzplus von 9,5 Prozent auf 64,6 Milliarden Euro verbucht. Das Lidl-Geschäftsjahr geht bis Ende Februar, jüngere Zahlen gibt es daher noch nicht. Zur Schwarz-Gruppe gehört auch die Supermarkt-Kette Kaufland./wdw/DP/zb

(AWP)