Sulzer verzeichnet 2016 weniger Bestellungen und Gewinn - Dividende stabil

(Durchgehend ergänzt) - Der Industriekonzern Sulzer hat im Geschäftsjahr 2016 wegen der anhaltenden Schwäche im Öl- und Gasmarkt wie erwartet weniger Bestellungen erhalten und auch weniger Umsatz erzielt. Entsprechend waren auch die Gewinnziffern rückläufig. Die Zahlen fielen insgesamt aber besser aus als noch im Oktober prognostiziert und auch als von den Analysten erwartet. Für das laufende Jahr stellt Sulzer wieder Wachstum in Aussicht.
01.03.2017 07:24

Der Bestellungseingang reduzierte sich um 3,4% auf 2,80 Mrd CHF und der Umsatz um 3,2% auf 2,88 Mrd. Währungsbereinigt ergab sich ein Minus von jeweils 2,0%, wie Sulzer am Mittwoch mitteilt. Der Auftragsbestand lag mit 1,44 Mrd um gut 7% unter dem Stand von Juni 2016.

Zum Bestellungseingang trugen Akquisitionen 110,7 Mio CHF bei, wogegen die Währungseffekte diesen um 40,9 Mio drückten. Die Bruttomarge der Aufträge blieb dabei stabil, da der Anteil des margenträchtigeren Aftermarket-Geschäfts zunahm. Damit habe der Margenrückgang im Öl- und Gasgeschäft kompensiert werden können.

Der Bestellungseingang sei in allen Märkten gewachsen, mit Ausnahme des Öl- und Gasmarkts. Die Branche habe erneut die Kosten und Investitionen heruntergeschraubt, obwohl die Ölpreise zu einer Erholung angesetzt hätten. Im Energiemarkt und in der allgemeinen Industrie hätten die Bestellungen indes kräftig angezogen, wobei letztere auch von den Akquisitionen von Geka und PC Cox profitiert hätten. "Wir haben uns in einem schwierigen Markt gut geschlagen", lässt sich CEO Greg Poux-Guillaume zitieren. Es gebe zwar noch viel zu tun, aber das Unternehmen befinde sich auf gutem Weg.

WENIGER GEWINN, ABER MEHR CASHFLOW

Der operative EBITA fiel gegenüber dem Vorjahreswert um 6,0% auf 238,9 Mio CHF zurück (währungsber. -4,4%) und die entsprechende Marge um 30 Basispunkte auf 8,3%. Dabei habe der Umsatzrückgang die Profitabilität beeinträchtigt, während die Einsparungen von 88 Mio CHF durch das Sulzer Full Potential-Programm (SFP) die Auswirkungen des anspruchsvollen Umfelds auf die Profitabilität nur zum Teil abzufedern vermochten.

Der Reingewinn vor und nach Minderheiten fiel jeweils um rund 20% auf 60,1 Mio bzw. 59,0 Mio CHF zurück. Sulzer weist neu auch einen "Kern-Reingewinn" (bereinigt um Steuereffekte durch übrige nicht operative Positionen) aus, dieser ging um gut 12% auf 153,8 Mio zurück. Mit den Zahlen hat Sulzer die Erwartungen der Analysten beim Umsatz, Bestellungseingang und operativen Gewinn übertroffen, beim Reingewinn dagegen verfehlt.

Der freie Cashflow nahm gleichzeitig um knapp 29% auf 200,5 Mio CHF zu, was Sulzer mit dem "sorgfältigen Management" des Netto-Umlaufvermögens, tieferen Steuerzahlungen sowie dem Umstand begründet, dass ein "erheblicher" Teil des 2016 verbuchten Restrukturierungsaufwands erst 2017 bezahlt wird.

Die ordentliche Dividende soll wie im Vorjahr bei 3,50 CHF liegen. Damals wurde allerdings wegen der hohen Barmittel eine zusätzliche Sonderdividende von 14,60 CHF je Aktie ausbezahlt.

NEU MIT 4 DIVISIONEN

Wie bereits angekündigt berichtet Sulzer seit dem 1. Januar neu in vier Einheiten. Neben den bisherigen Divisionen Pumps Equipment, Rotating Equipment Services und Chemtech kommt die Division Applicator Systems hinzu. Diese umfasst die bisherige Einheit Mixpac Systems sowie die akquirierten Geka und PC Cox. Geka stellt bekanntlich Applikatoren für die Kosmetikindustrie her und will das Geschäft auch auf das Gesundheitswesen ausdehnen; PC Cox ist ein Hersteller von industriellen Dispensern. Weiter wurde damit begonnen, das Ersatzteilgeschäft von der Division Pumps in die Division Rotating Equipment Services zu überführen. Damit sollen Kunden eine zentrale Anlaufstelle für Services und Ersatzteile erhalten.

Für das Geschäftsjahr 2017 erwartet Sulzer eine währungsbereinigte Zunahme des Bestellungseingangs zwischen 5 und 8% und des Umsatzes von 3 bis 5%, gestützt durch die jüngsten Akquisitionen. Aus dem laufenden SFP-Programm sollen zusätzliche Einsparungen von 40 bis 60 Mio CHF erzielt werden. Die bisherige Prognose für dieses Programm wird bestätigt. Demnach sollen diese Einsparungen ab 2018 insgesamt 200 Mio CHF erreichen. Für 2017 prognostiziert das Unternehmen weiter eine operative EBITA-Marge im Bereich von 8,5%.

Das Unternehmen geht davon aus, dass der Öl- und Gasmarkt anspruchsvoll und der Preisdruck hoch bleiben dürften. Frühe Anzeichen für eine bevorstehende Erholung in diesem Markt dürften voraussichtlich erst 2018 zu einem wirtschaftlichen Umschwung bei Sulzer führen. Für die übrigen Geschäfte erwartet Sulzer leichtes Wachstum, was organisch gesehen zu einem Bestellungseingang ungefähr auf Vorjahresniveau führen dürfte.

cf/ys

(AWP)