Sunrise verkauft Antennenmasten an Cellnex-Konsortium - Neue Dividendenpolitik

(Mit weiteren Angaben ergänzt) - Der Telekomanbieter Sunrise verkauft einen Grossteil der Antennenmasten an ein Konsortium unter der Führung der spanischen Firma Cellnex. Mit den Einnahmen sollen primär Schulden abgebaut werden. Ausserdem winkt den Aktionären für 2017 eine höhere Dividende. Abgesehen davon passt die Gesellschaft auch die längerfristige Dividendenpolitik an.
24.05.2017 08:39

Sunrise hatte bereits im Januar bekannt gegeben, über eine Veräusserung nachzudenken. Der Verkauf ist somit keine Überraschung. Konkret werden nun 2'239 der rund 3'600 Sendemasten für 500 Mio CHF an ein Konsortium der spanischen Firma Cellnex, von Swiss Life Asset Managers sowie von Deutsche Telekom Capital Partners abgegeben, wie Sunrise am Mittwoch mitteilt. Die Transaktion erfolge vorbehaltlich der Zustimmung der Fusionskontrollbehörden.

Die eigentliche Telekominfrastruktur bleibt auch nach der Transaktion im Besitz von Sunrise. Diese betreffe nur die passive Netzinfrastruktur, also konkret vorwiegend Stahl- und Betonkonstruktionen, welche dann von Sunrise zurückgemietet wird. Finanzielle Angaben werden dazu keine gemacht. Das Unternehmen sei mit dem Konsortium einen langfristigen Servicevertrag zur Erbringung von Infrastrukturdienstleistungen für die Antennenmasten eingegangen, heisst es lediglich. Ausserdem soll ein "massgeschneidertes Programm" für die Einrichtung neuer Standorte vereinbart werden.

ZIEL "INVESTMENT GRADE RATING"

Die Einnahmen will das Management zum grössten Teil (450 Mio CHF) zum Schuldenabbau verwenden. Es sei das Ziel, in naher Zukunft ein "Investment Grade Rating" zu erreichen, schreibt die Gesellschaft. Mit dem Schuldenabbau reduziert sich laut den Angaben nun das Verhältnis von Nettoverschuldung zu bereinigtem EBITDA per Ende 2016 auf von 2,7x auf 2,1x.

Mit weiteren 30 Mio CHF aus dem Verkaufserlös will Sunrise Investitionen in den Netzausbau, in Glasfaser-Partnerschaften und das Verkaufsstellennetz tätigen, wie es weiter heisst.

DIVIDENDE VON 3,90 BIS 4,10 CHF PRO AKTIE

Vorbehaltlich des planmässigen Abschlusses der Transaktion hat Sunrise die Finanzprognose für 2017 etwas angepasst. Der Umsatz wird zwar unverändert erwartet, der bereinigte EBITDA dürfte neu aber zwischen 577 Mio und 592 Mio CHF liegen (bisher: 595-610 Mio). Einschliesslich des zusätzlichen einmaligen Kapitalaufwandes im Jahr 2017 sei neu ein Investitionsaufwand zwischen 255 Mio und 295 Mio zu erwarten, während der Investitionsaufwand ohne den einmaligen Mehraufwand im Jahr 2017 unverändert zwischen 225 Mio und 265 Mio liegen dürfte.

Im Zusammenhang mit dem Verkauf hat der Verwaltungsrat auch die Dividendenpolitik angepasst. Sie soll das gestärkte finanzielle und operationelle Profil des Unternehmens widerspiegeln, wie es heisst. Für 2017 - und vorbehaltlich des planmässigen Abschlusses der Transaktion - strebt Sunrise nun eine Dividende von 3,90 bis 4,10 CHF pro Aktie an. Dies entspricht einer Steigerung von 17-23% gegenüber 2016 und stelle eine erhebliche Verbesserung gegenüber dem zuvor bekanntgegebenen Zielband von 3,45 bis 3,55 CHF dar.

NEUE DIVIDENDENVERSPRECHEN

Ausgehend von diesem höheren Zielband würden die Dividenden auch in Zukunft in Abhängigkeit vom Verschuldungsgrad festgelegt, heisst es weiter. Gemäss der neuen Dividendenpolitik sollen mindestens 65% des Equity Free Cash Flow ausgeschüttet werden, wobei dieser Wert auf 85% erhöht wird, sobald das ausgewiesene Verhältnis von Nettoverschuldung zu bereinigtem EBITDA unter 2,0 sinkt.

Bislang war lediglich ein Zielwert von 2,5 für das Verhältnis von Nettoverschuldung zu bereinigtem EBITDA angepeilt worden; und sobald dieser Wert erreicht sei, würden liquide Mittel, die 65% des Equity Free Cash Flow übersteigen, für Dividenden, Aktienrückkäufe oder einen Fremdkapitalabbau verwendet.

NEULAND IN DER SCHWEIZ

Mit der Antennen-Transaktion betritt die Nummer zwei der hiesigen Branche Neuland in der Schweiz: Alle drei grossen Mobilfunkanbieter Swisscom, Sunrise und Salt besassen ihre Antennenmasten bislang selber. Bei Swisscom und Salt ist ein solcher Verkauf gemäss früheren Angaben kein Thema.

In anderen Ländern gibt es den Trend zum Verkauf und Zurückleasen schon seit einigen Jahren. So hat etwa der französische Mobilfunkanbieter Bouygues im vergangenen Sommer mehrere hundert Masten in ländlichen Gebieten ebenfalls an Cellnex veräussert.

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(AWP)