Swatch Group sieht wieder starke Nachfrage

(Meldung ausgebaut um das Thema Online-Handel) - Nach fast zwei Jahren Talfahrt geht es mit der Uhrenindustrie wieder deutlich aufwärts. "Der Aufschwung ist massiv", sagte Swatch Group-Chef Nick Hayek in einem Interview mit der "NZZ am Sonntag".
19.11.2017 15:22

Die Konsumlust für Schweizer Uhren floriere weltweit. "Seit Juli ziehen die Verkäufe an", sagte Hayek. Im September seien die Bereiche Uhren und Schmuck beim Umsatz in Franken um deutlich über 10% gewachsen. "Im Oktober hat sich das Tempo noch beschleunigt."

Lediglich die Uhrwerkproduktion für Dritte liege noch zurück, sagte Hayek. "Alle Uhrensegmente, auch das unterste, entwickeln sich dynamisch. Obwohl wir keine Leute entlassen haben und weiter investiert haben in den schwierigen Jahren, haben wir nun Produktionsengpässe."

Omega liege mit 70'000 Bestellungen im Rückstand, weil man wegen Kapazitätsmangels nicht rechtzeitig liefern könne. Das Gleiche gelte für Longines und Blancpain.

AMBITIÖSES ZIEL

Das Ziel von 7 bis 9% Umsatzwachstum bei Uhren und Schmuck in diesem Jahr sei natürlich ambitiös, sagte Hayek: "Aber es ist nicht unmöglich. Noch zwei so starke Monate wie die drei letzten, dann könnte dies tatsächlich klappen." Erfreulich sei, dass es auch im untersten Preisbereich mehr Nachfrage gebe.

Für das nächste Jahr 2018 plane die Swatch Group ein starkes Umsatzwachstum, sagte der Chef des grössten Uhrenkonzerns der Welt: "Wir müssen vorsichtig sein, dass wir nicht euphorisch werden, aber uns bieten sich hervorragende Chancen. Für einmal helfen uns auch die Wechselkurse."

Die Verkäufe würden im Moment so stark ansteigen, "dass wir zu wenige Vorräte bei den Händlern haben", sagte Hayek. Viele hätten zu spät bestellt, weil sie verängstigt gewesen seien und zu viel auf Panik machende und kurzfristig denkende Journalisten und Analysten gehört hätten.

Die Händler hätten wieder Vertrauen gefasst, der Konsument sowieso. "Selbst in der Phase des Rückgangs haben wir über unser eigenes Ladennetz die Verkäufe leicht steigern können", sagte Hayek.

FRANKENSCHOCK SCHLÄGT DURCH

In den vergangenen Jahren hatte die Schweizer Uhrenbranche gelitten. Die Schweizerische Nationalbank (SNB) habe mit der Aufhebung des Euro-Mindestkurses von 1,20 CHF am 15. Januar 2015 den Frankenschock ausgelöst. Dieser habe die Uhrenindustrie stärker getroffen als die Terroranschläge und der Kampf gegen die Korruption in China, sagte Hayek.

Denn durch die Aufwertung sei das Preisgefüge ausser Rand und Band geraten. In bestimmten Märkten sei der Umsatz eingebrochen, weil sie währungsbedingt nicht mehr attraktiv gewesen seien. "Der Konsument hat nicht verstanden, warum er plötzlich 10 oder 20% mehr zahlen soll für das gleiche Produkt", sagte Hayek.

Einige der grossen Hersteller wie Richemont hätten zuerst begonnen, Preise massiv zu erhöhen - und diese etwas später wieder massiv zu senken. "Das ist die beste Methode, sowohl Konsumenten wie Händler total zu verunsichern. Konsequenz daraus: weniger Verkäufe", sagte Hayek.

ONLINE-HANDEL

Der Online-Handel, Swatch betreibt etwa auf einer speziellen Internetplattform von Alibaba eigene Online-Läden der Marken Tissot, Swatch und Longines, kannibalisiert die stationären Geschäfte nicht. "Im Gegenteil, er stimuliert", stellt Hayek fest. So habe etwa Tissot am chinesischen "Singles Day" innerhalb von 24 Stunden im E-Commerce Shop auf Tmall rund 10'000 Uhren verkauft.

Mit dem US-Giganten Amazon ist Swatch hingegen noch nicht ins Geschäft gekommen. "Es gibt Kontakte, aber ihre riesige Abteilung voller Anwälte verweigert uns, eine sogenannte Best-Effort-Klausel gegen Fälschungen in unsere Vereinbarung einzufügen", führt Hayek aus.

Da immer wieder Fälschungen auf Online-Plattformen auftauchten, verlange Swatch, dass auch die Besitzer der Online-Plattformen aktiv gegen Fälschungen vorgehen. Alibaba und JD hätten das ohne Probleme akzeptiert, Amazon hingegen nicht. "Hier sieht man, dass die Amerikaner viel grössere Opportunisten sind als die Chinesen", so Hayek.

ra/

(AWP)