Swatch: Weko erteilt gelockerte Belieferung von Eta-Uhrwerken an Dritte Absage

(Zusammenfassung)
27.10.2016 11:29

Bern (awp) - Swatch bleibt verpflichtet zur Bereitstellung von Eta-Uhrwerken für bestimmte Drittkunden in festgelegten Mengen. Das hat die Wettbewerbskommission (Weko) so beschlossen, wovon sich der Uhrenkonzern in einer ersten Reaktion erzürnt gibt. Swatch stellt nun massive Preiserhöhungen in Aussicht. Das Unternehmen kann den Entscheid an das Bundesverwaltungsgericht weiterziehen.

Die Weko hält an der 2013 mit Swatch getroffenen einvernehmlichen Regelung zu Lieferverpflichtungen von Eta-Uhrwerken fest. Man habe die Lage aufgrund der aktuellen Marktverhältnisse überprüft und sehe keine Veranlassung dazu, diese Regelung zu ändern, heisst es am Donnerstag in einer Mitteilung der Behörde. Diese beinhalte einerseits eine Lieferpflicht für mechanische Uhrwerke, ermögliche es der Swatch-Tochter Eta aber andererseits auch, die Lieferungen an Dritte bis Ende 2019 stufenweise reduzieren zu dürfen.

Swatch hat bei den Uhrwerken und Assortiments eine marktbeherrschende Stellung, weshalb Eta auch die Konkurrenz beliefern muss. Die Weko kam zum Schluss, dass sich die Marktverhältnisse zwar in die erwartete Richtung entwickelten. Es konnten allerdings keine wesentlichen Veränderungen festgestellt werden, welche eine Anpassung des vor drei Jahren erzielten Kompromisses rechtfertigen würde.

So hätten sich Marktteilnehmer dahingehend geäussert, dass der unveränderte Fortbestand der einvernehmlichen Regelung für die weitere Marktentwicklung entscheidend sei. Eine Anpassung des vereinbarten Lieferregimes zum jetzigen Zeitpunkt würde die Auf- und Ausbaupläne der Konkurrenten von Eta erheblich gefährden, so die Weko weiter. Das schwierige wirtschaftliche Umfeld, in dem sich die Uhrenindustrie derzeit befinde, sei kein ausreichender Grund, die Regelung abzuändern.

SWATCH FORDERT ERGÄNZUNG

Anstoss der Überprüfung war ein Gesuch von Swatch. Die Gruppe habe bei der Weko beantragt, dass Eta die nicht bezogenen Mengen all ihren Drittkunden anbieten und verkaufen darf, heisst es im Gegenzug am Donnerstag von Swatch. Der Antrag habe indes nie vorgesehen, von der einvernehmlichen Regelung abzuweichen, sondern vielmehr diese zu ergänzen, um "missbräuchlichen Kundenverhalten" Rechnung zu tragen.

Dass dieses Begehren nun abgewiesen wurde, bedauert Swatch. Der Konzern erachte den Entscheid "als total realitätsfremd". Man werde gezwungen, unter erheblichen finanziellen und personellen Aufwendungen Produktionskapazitäten für Drittkunden aufrecht zu erhalten, obwohl diese ihre Bestellmengen teilweise drastisch reduziert oder ganz fallengelassen hätten. Die festgelegten Bezugsmengen würden von den Drittkunden bei weitem nicht abgenommen, und gewisse Grosskunden hätten für das Jahr 2017 gar keine Bestellungen mehr getätigt, während Eta die Kapazitäten in der Grössenordnung von rund 1,5 Mio mechanischen Werken weiterhin aufrechterhalten müsse.

Konkret hätten Grosskunden wie Sellita oder Tudor ihre Bestellungen für das Jahr 2017 gegenüber dem Vorjahr um insgesamt rund 700'000 Stück reduziert, und die Differenz zwischen der tatsächlich bestellten Menge und der ungenutzten Kapazität betrage knapp 900'000 Stück.

MASSIVE PREISERHÖHUNGEN

Die Swatch Group lässt ihrem Frust freien Lauf: "Mit diesem Entscheid müssen wieder einmal die Eta und die Swatch Group das wirtschaftliche Risiko ihrer Kunden übernehmen." Damit würden erneut jene Marktteilnehmer "bestraft", welche erhebliche Investitionen in Innovationen und den Aufbau von industriellen Kapazitäten getätigt haben, "während andere Marktteilnehmer wieder lieber nur in das Marketing ihrer Produkte investierten". Ausserdem: "Um die anfallenden Mehrkosten aufgrund der erzwungenen Lieferbereitschaft decken zu können, wird die Eta massive Preiserhöhungen ins Auge fassen müssen."

An der Börse sind Swatch am Donnerstag unter Druck in einem insgesamt etwas schwächeren Markt (SMI: -0,2%) und verlieren 1,2% auf 306,70 CHF. Die Titel von Branchennachbar Richemont geben 1,5% auf 64,75 CHF nach. Im bisherigen Jahresverlauf verlieren Swatch und Richemont 12% bzw. 10%.

Mit dem Weko-Entscheid werde die Flexibilität der Swatch Group weiterhin eingeschränkt, weshalb dieser leicht negativ zu werten sei, kommentiert die ZKB. Gemäss der Schätzungen der Kantonalbank mache Swatch innerhalb des mit Dritten erzielten Umsatzes mit Uhrwerken und Komponenten rund 30 bis 40% mit mechanischen Uhrwerken. Bezogen auf den Konzernumsatz seien es gut 1%.

Vor dem Hintergrund des immer noch schwieriger als erwarteten Umfelds, müsse man die Schätzungen voraussichtlich nochmals reduzieren, so der zuständige ZKB-Analyst.

ys/mk

(AWP)