Swiss-Re-Aktien nach Kostenschätzungen für Naturkatastrophen gesucht

Die Aktien des Rückversicherungskonzerns Swiss Re eröffnen am Freitagmorgen klar im Plus. Zuvor hatte das Unternehmen die ersten Kostenschätzungen für die Wirbelstürme "Harvey", "Irma" und "Maria" sowie für die Erdbeben in Mexiko präsentiert. Mit 3,6 Mrd USD liegen diese höher als von den meisten Analysten erwartet. Allerdings bestehen am Markt auch Hoffnungen auf steigende Prämiensätze.
20.10.2017 10:18

Die Swiss-Re-Aktien kosten am Freitag bis 9.55 Uhr 91,65 CHF, was gegenüber dem Schlussstand vom Freitagabend einem Plus von 1,2% entspricht. Der Gesamtmarkt SMI steht aktuell mit 0,2% im Plus.

Sowohl Baader Helvea wie auch Vontobel schreiben, dass die Kosten für Swiss Re über den Erwartungen lägen. Erstere hatten diese im Vorhinein auf 3,1 Mrd USD geschätzt, zweite waren von 2,9 Mrd ausgegangen. Der für die UBS Investmentbank tätige Jonny Urwin wiederum ging von 2,65 Mrd USD vor Steuern und nach Retrozessionen für die drei Wirbelstürme aus. Noch nicht enthalten waren in seiner Schätzung die Kosten für die verheerenden Erdbeben in Mexiko. Einzig die ZKB lag mit einem Wert von 3,8 Mrd USD über den nun publizierten möglichen Kosten.

Trotz der höheren Kosten fallen einige Kommmentare tendenziell positiv aus und geben eine mögliche Erklärung für die positive Kursreaktion. So schreiben Baader Helvea, dass das Überschusskapital der Swiss Re im Juni mit 7,4 Mrd USD über dem Schwellenwert von 220% gelgen habe. Das Unternehmen sei somit gut positioniert, um nach der Hurrikansaison wieder neue Geschäftsmöglichkeiten zu nutzen.

Weiter gehen Baader Helvea davon aus, dass die hohen versicherten Schäden in den Aktien bereits eingepreist sind, nicht aber die möglicherweise sich verbessernde Preisdynamik bis Januar 2018. Das Ausmass der versicherten Schäden könnte sogar den Druck von der rückläufigen Prämienentwicklung nehmen und wieder zu steigendne Prämien führen, wovon Swiss Re profitieren würde.

Auf grosses Interesse stösst bei den Analysten auch die Frage, ob das ursprünlich von einem schadenarmen Jahr abhängig gemachte Aktienrückkaufprogramm über 1 Mrd CHF umgesetzt wird oder nicht. Angesichts der starken Kapitalposition der Swiss Re halte man an der Annahme eines Rückkaufs fest, heisst es bei Baader Helvea. Ähnlich sieht dies die Deutsche Bank, die in einem Kommentar davon ausgeht, dass der Rückkauf im November beginnt onnen und spätestens bis zur nächsten Hauptversammlung im April 2018 vollzogen wird.

Kritischer sehen dies die Analysten von Vontobel. Sie gehen von einer sinkenden Wahrscheinlichkeit einer tatsächlichen Umsetzung des Rückkäufprogamms aus. Und die ZKB schreibt sogar, dass das Aktienrückkaufprogramm wohl nicht durchgeführt werde. Die Investors-Relations-Verantwortlichen der Swiss Re selbst wollten sich auf Anfrage nicht äussern und vertrösteten auf die Quartalsergebnispublikation vom 2. November.

Von den Kurszielen und den Ratings her gibt es keine Veränderungen zu vermelden. Bryan, Garnier & Co. bestätigen das Kursziel von 96 CHF und verbleiben bei "Sell". Vontobel belässt das Kursziel bei 94 CHF, die Deutsche Bank das ihrige bei 104 CHF sowie Baader Helvea bei 94 CHF. Das Rating bei Vontobel und Baader Helvea ist "Hold", bei der Deutschen Bank "Buy". Die ZKB schliesslich bestätigt ihr "Marktgewichten".

kw/uh

(AWP)