Swiss Re erwartet weltweit wachsende Nachfrage nach technischen Versicherungen

Das Volumen am weltweiten Markt zur Deckung von Risiken im Bau, bei Infrastruktur-Projekten oder bei der Installation und dem Betrieb von Maschinen, also für technische Versicherungen, dürfte nach Jahren der Stagnation wieder an Bedeutung gewinnen. Das Geschäft mit solchen Versicherungen werde in erster Linie vom globalen Konjunkturwachstum profitieren, schreibt das Swiss Re Institute am Mittwoch in der neusten Sigma-Ausgabe. Die Digitalisierung stellt die Branche derweil vor neue Herausforderungen.
13.06.2018 10:26

Für das Jahr 2017 schätzt das Forschungsinstitut von Swiss Re das weltweite Prämienvolumen im Bereich der technischen Versicherung auf rund 21 Milliarden US-Dollar. Etwa die Hälfte davon gehen auf das Konto von Projektversicherungen, wie es in der Mitteilung weiter heisst. Geschätzt wird das Prämienvolumen deshalb, weil es zu diesem Versicherungsmarkt keine umfassenden Daten gibt. Der Bereich mache in etwa 3 Prozent der gesamten Prämien in der Gewerbeversicherung mit einem Volumen von rund 730 Milliarden aus, schätzt der Rückversicherer.

Zuletzt rückläufig

Seit dem steilen Anstieg der Prämieneinnahmen zu Beginn der 2000er-Jahren, der massgeblich vom Bauboom in den Schwellenländern geprägt war, stagniere der Markt der technischen Versicherung seit einigen Jahren. Derzeit lägen in vielen entwickelten Märkten der Welt die Bauausgaben gemessen in Prozent zum BIP weiterhin unter den Höchstständen aus der Zeit von vor der Finanzkrise des Jahres 2008. Und einige Schwellenländern seien erst jetzt daran, sich von der jüngsten Rezession zu erholen.

"Die Technischen Versicherungsprämien gehen seit mehr als zehn Jahren zurück", meint Mike Mitchell, Leiter Underwriting in der Sach- und Haftpflicht-Rückversicherung von Swiss Re. "Bei manchem Anbieter ist die Gewinnspanne bereits unter das langfristig haltbare Niveau gesunken."

Besserung in Sicht

Doch nun hellen sich die Marktaussichten für diesen Bereich in der Versicherungswelt auf. Der wesentliche Treiber dazu ortet die Swiss Re im erwarteten weltweiten Wirtschaftswachstum. Der konjunkturelle Aufschwung werde die Bautätigkeit sowohl in den Industrie- als auch in den Schwellenländer ankurbeln, heisst es. Weitere Faktoren wie die zunehmende Urbanisierung, Projekte zur Sanierung veralteter Infrastrukturen sowie der Ausbau erneuerbarer Energiequellen zu Wachstum könnten dem Markt zusätzlich Rückenwind verleihen.

Derweil dürfte der Einsatz neuer digitaler Technologien und Prozesse in der Baubranche das Geschäft mit technischen Versicherungen verändern. Diese Technologien steigern einerseits die Effizienz im Bauwesen, etwa durch verbesserte Überwachung. Andererseits bergen sie aber auch neue Gefahren wie Cyber-Risiken. "Für Versicherer könnte dies höhere Schadenforderungen bedeuten, selbst wenn die Schadenhäufigkeit weiter sinkt", warnt Mitchell.

Auf den Wandel in der Risikolandschaft und im Wettbewerb sollten die Versicherer mit neuen Produkten und Prozessen reagieren, schlägt Swiss Re vor. Schliesslich könnten mit technischen Versicherungen die Risiken der Digitalisierung bei Kunden vermieden oder zumindest reduziert werden.

mk/cf

(AWP)