Swiss Re erzielt im Halbjahr weniger Gewinn - Einmalige Anlagegewinne fallen weg

(Meldung ausgebaut) - Der Rückversicherer Swiss Re hat im ersten Halbjahr 2017 weniger Gewinn erzielt als noch in der Vorjahresperiode. Hauptgrund für den Rückgang ist in erster Linie der Wegfall einmaliger Kapitalgewinne in der Sparte Life Capital. Ausserdem belasten hohe Kosten aus dem australischen Wirbelsturm Debbie die Rechnung. Im wichtigsten Segment Sach- und Haftpflicht-Rückversicherung (P&C) sieht sich die Gruppe anhaltendem Preisdruck ausgesetzt, auch wenn dieser nachlässt.
04.08.2017 08:51

Der Gewinn sank in den ersten sechs Monaten auf 1,21 Mrd USD nach 1,87 Mrd im Vorjahr, teilte Swiss Re am Freitag mit. Bei Life Capital ist das Ergebnis aufgrund des Wegfalls einmaliger Gewinne stark gesunken. Derweil hat Wirbelsturm Debbie die Rechnung mit geschätzten 360 Mio USD belastet. Im Vorjahr lagen die Kosten für Naturkatastrophen allerdings auf ähnlich hohem Niveau.

Die verdienten Prämien der Gruppe sind stabil bei 16,2 Mrd geblieben. Gebucht hat der Rückversicherer Bruttoprämien in Höhe von 18,1 Mrd (VJ 19,8 Mrd), was einer disziplinierten Zeichnungspolitik zuzuschreiben sei, heisst es.

Die Vorgaben der Analysten wurden mit dem Gewinn verfehlt, dagegen lagen die Prämieneinnahmen über den Erwartungen.

VORSICHTIGES ZEICHNEN VON RISIKEN

In der Sach- und Haftpflicht weist Swiss Re eine Combined Ratio von 97,4% aus nach 97,2% vor Jahresfrist und die aufs Jahr hochgerechnete Eigenkapitalrendite betrug 9,1% nach 13,7%. Das Spartenergebnis ging um über 300 Mio auf 546 Mio USD zurück, allerdings sei der letztjährige Gewinn von positiven Wechselkursentwicklungen beeinflusst worden, hält die Swiss Re fest.

Mit 9,4 Mrd hat man im P&C-Geschäft knapp 16% weniger Bruttoprämien eingenommen. Weil die Preise unter den Erwartungen lagen, habe man auf das Zeichnen von Geschäft verzichtet, so die Begründung.

Im zweitgrössten Teil Life&Health (L&H) lag das Ergebnis bei 432 Mio USD etwa auf Vorjahresniveau, dies bei einer über der Zielbandbreite von 10-12% liegenden Rendite von 12,7%. Gründe für das "sehr gute" Resultat seien eine stabile Zeichnungs-Performance sowie höhere realisierte Gewinne auf Kapitalanlagen. Die gebuchten Prämien gingen um 2,8% auf 6,4 Mrd zurück.

Im Erstversicherungsgeschäft Corporate Solutions verschlechterte sich die Combined Ratio um 2,9 Prozentpunkte auf 104,5% und der Gewinn ging auf 39 von 55 Mio USD zurück. Sowohl höhere Kosten für Naturkatastrophen als auch Preisdruck belasteten. Die Prämieneinnahmen verringerten sich wegen des Preisdrucks um 4,7% auf 1,7 Mrd.

Life Capital generierte im Halbjahr einen Gewinn von noch 143 Mio USD nach zuvor 569 Mio. Das Vorjahresergebnis profitierte jedoch von hohen einmaligen Anlagegewinnen. Die sehr gute Kapitalausstattung ermögliche es der Sparte, im zweiten Quartal eine hohe Dividendenzahlung von 1,1 Mrd an die Gruppe zu leisten.

Mit den Kapitalanlagen erwirtschaftete die Gruppe eine annualisierte Rendite von 3,5% gegenüber 3,7% in der Vorjahresperiode. Das Anlageportfolio liefere weiterhin "sehr gute und nachhaltige" Renditen, schreibt Swiss Re. Das Eigenkapital blieb im Vergleich zu Ende 2016 stabil bei 34,4 Mrd USD und die Rendite darauf wird annualisiert mit 7,0% angegeben. Mit einer SST-Quote von 262% für 2017 sieht sich Swiss Re "weiterhin sehr gut" kapitalisiert.

MARKTCHANCEN NUTZEN

CEO Christian Mumenthaler spricht in der Mitteilung von einem "soliden Ergebnis in einem schwierigen Marktumfeld". Swiss Re sei aber gut positioniert, um Marktchancen zu nutzen und sich weiterhin auf die Prioritäten im Kapitalmanagement zu konzentrieren. Man werde bei der Auswahl der Risiken weiterhin selektiv vorgehen, um zukünftige Profitabilität zu gewährleisten.

Dies zeigt sich auch in der Juli-Erneuerungsrunde, in der Verträge in Nord- und Südamerika im Vordergrund stehen. Das Volumen des zu erneuernden Geschäfts nahm um 10% ab, seit Jahresbeginn ging es gar um 13% zurück. Dabei habe sich die Preisqualität weiterhin bei 102% bewegt, so die Mitteilung. Insgesamt lasse der Preisdruck am Markt der Sach- und Haftpflicht-Rückversicherung weiter nach.

Ob es zu einem weiteren Aktienrückkauf von bis zu 1 Mrd CHF kommt, wird sich im Spätherbst nach Abschluss der US-Hurrikan-Saison entscheiden.

mk/gab

(AWP)