Swisscom konkretisiert IP-Fahrplan - Festnetztelefonie endet in vier Regionen

Swisscom stellt seit vier Jahren die herkömmliche analoge Festnetztelefonie auf das Internet Protokoll (IP) um. Rund drei Viertel der Kunden nutzen bereits diese Technologie. Ab Anfang 2018 werden vier Grossregionen vollständig auf IP umgestellt.
27.04.2017 13:01

Betroffen sind die Regionen Solothurn/Biel/Jura, Schaffhausen/Winterthur/Frauenfeld, Balsthal/Olten/Gebiete im Aargau/Oberaargau sowie der Grossraum Rapperswil/Jona/Glarus. Dies gab die Swisscom am Donnerstag in Zürich bekannt. Weitere Regionen werden folgen.

NICHT ABSCHALTUNG SONDERN BEGLEITUNG ODER KÜNDIGUNG

Beat Döös, Leiter All IP Transformation bei Swisscom, betonte, dass die Swisscom "nicht einfach abschaltet, sondern umstellt". Privat- und Geschäftskunden würden bei der Umstellung "intensiv begleitet". Laut Döös gibt es etwa noch 200'000 Privatpersonen, welche die alte Technologie nutzen.

Unter den 200'000 dürfte es einige "veränderungsresistente Personen" geben, sagte Döös. Sie müssen wohl mit der Kündigung rechnen. Das Kündigungsrecht sei gegenseitig, und die Grundversorgung beinhalte den Telefonanschluss und nicht eine bestimmte Technologie.

Den Geschäftskunden empfiehlt Swisscom, die Umstellung dieses Jahr abzuschliessen. Einer der Grosskunden, der die IP-Technologie bereits nutzt, ist die Kioskbetreiberin Valora. Valora hat letzten Herbst ihre rund 1'000 Standorte innerhalb von drei Wochen auf IP migriert.

Da man im Zuge der Umstellung überflüssige Anschlüsse abbestellt habe, spare Valora pro Monat nun 20'000 Franken, sagte Mathias Timeus, Project Manager Infrastructure Services bei Valora, am Donnerstag vor den Medien. "Insgesamt hat uns das Projekt rund 324'00 CHF gekostet." Sowohl mit der Swisscom als auch mit der Installationsfirma habe man einen Projektpreis ausgehandelt.

"Firmen, die nicht auf einmal so viel Geld locker machen können, können mit einem Konverter ihre alte Anlage durchaus weiterbetreiben", hielt Döös fest. Er nannte beispielsweise ein Altersheim, dem es nicht möglich war, auf einen Schlag 170'000 CHF zu investieren. Allerdings müsse sich das Heim fragen, wie sinnvoll der Weiterbetrieb einer 20-jährigen Anlage langfristig sei.

NEUE OPTION FÜR NOTRUFTELEFONIE

In die Modernisierung investiert die Swisscom einen "höheren dreistelligen Millionenbetrag". Dazu gehören auch Angebote im Sicherheitsbereich.

Ab Juni ist mit Swisscom Line basic und der Option Ausfallsicherung eine zweifache Absicherung für den Fall eines Strom- oder Netzausfalls möglich: Eine Batterie stellt sicher, dass der Router für den Festnetzanschluss auch bei Stromausfall funktioniert.

Die Ausfallsicherung über Mobilfunk gewährleistet, dass Gespräche bei einem Festnetzausfall auf das Mobilfunknetz umgeleitet werden. Diese Lösung wurde vor allem für analoge Notruftelefonie entwickelt. Kunden können mit dieser Lösung ihre analogen Notrufgeräte auf IP weiterbetreiben.

(AWP)