Swisscom streicht Stellen, baut aber auch Bereiche aus

Von den 500 Stellen, die die Swisscom im laufenden Jahr streichen will, fällt etwa die Hälfte dem Spardruck zum Opfer. Die andere Hälfte ist dem Wandel geschuldet, den der Telekomanbieter im Zug der Digitalisierung durchläuft. Es werden also rund 250 dieser Stellen an anderer Stelle im Konzern neu entstehen.
09.02.2017 13:44

Etwa 250 Stellen wird die Swisscom 2017 zwar dort streichen, wo die Wertschöpfung zu tief ist. Solche Tätigkeiten werden ausgegliedert oder ganz gestrichen. Gleichzeitig schafft die Swisscom jedoch ähnlich viele Stelle neu in Geschäftsbereichen, die im Zusammenhang mit der Digitalisierung als zukunftsträchtig erachtet werden.

Das erklärten Giorgio Pardini, bei der Gewerkschaft Syndicom Leiter des Sektors ICT, und Pascal Bassu, Personalvertreter bei der Swisscom, an einer Medienveranstaltung am Donnerstag in Bern. "Für die Sozialpartner ist aber schwer einzuordnen, wo Stellen wegen Kostenoptimierungen verschwinden und wo sie im Zug eines Transformationsprozesses an anderer Stelle neu geschaffen werden", relativiert Pardini.

Gleichzeitig betont der Gewerkschafter, dass es bei der Ankündigung, die Swisscom wolle 500 Stellen streichen, nicht um Entlassungen gehe. Vielmehr stehe Syndicom in engem Kontakt mit dem staatsnahen Betrieb, dass so viele Mitarbeitende wie möglich an anderer Stelle im Unternehmen eine neue Beschäftigung finden.

PROZESS DER STRATEGISCHEN PERSONALPLANUNG

Bereits vor vier Jahren sei Syndicom zusammen mit Swisscom in einen Prozess der strategischen Personalplanung eingetreten. Das klingt technisch. Es bedeutet nichts anderes, als dass die Gewerkschaft ein Auge darauf hat, welche Beschäftigungsfelder verschwinden, weil Technologien veralten. Zudem kontrolliert sie, was mit den betroffenen Mitarbeitenden geschieht.

Im Rahmen dieses Prozesses werden für die Betroffenen neue Beschäftigungen im Unternehmen oder auch ausserhalb gesucht. Mit durchschnittlich zwei Dritteln der Beschäftigten können jeweils solche Lösungen gefunden werden.

Für das verbleibende Drittel kommt ein Sozialplan zu Anwendung. Jeweils vierteljährlich kontrolliert die Gewerkschaft, wie es um die Beschäftigung dieser Mitarbeitenden bestellt ist. "Schliesslich finden etwa 90 Prozent dieses Drittels eine Anschlusslösung", versichert Pardini. Doch bleiben am Schluss Verlierer, für die der Sozialplan und dessen Geltungsdauer von grösster Bedeutung ist.

DIGITALISIERUNG IM GAV ABBILDEN

Pardini betont jedoch, dass Syndicom mit der Swisscom in einem "transparenten Dialog" stehe. Er erachtet es als Erfolg, dass die Swisscom auch bei jenen Unternehmen auf einen Gesamtarbeitsvertrag (GAV) besteht, die einstige Swisscom-Mitarbeitende übernehmen.

Hinter dieser pragmatischen Vorgehensweise stecke die Haltung, dass zunehmende Konkurrenz und vor allem der Wandel durch die Digitalisierung nicht aufzuhalten sei. Vielmehr fordert Syndicom ein, dass "die Dynamik der Digitalisierung im GAV abgebildet werden und dass die Mitarbeitenden ein entsprechendes Mitspracherecht erhalten".

(AWP)